Sport : Ein teures Vergnügen

Die SCC-Volleyballer müssen für die Champions League eine Menge Geld mitbringen

Frank Bachner

Berlin. Frank Winkler hat mal ausgezeichnet Volleyball gespielt. Knapp 140 Länderspiele bestritt der Mittelblocker. Lange her. Jetzt ist Winkler Journalist, und für das Deutsche Sportfernsehen (DSF) hat er als Experte die Champions-League-Spiele des VfB Friedrichshafen kommentiert. Er ist also vom Fach, und so einen braucht Kaweh Niroomand gerade. Deshalb standen beide in der Sömmeringhalle zusammen und debattierten intensiv. Es war ein strategisches Gespräch, Niroomand, der Manager des Volleyball-Bundesligisten SC Charlottenburg, muss planen. Der SCC wurde deutscher Volleyballmeister und rückte damit in die Champions League. Das ist eigentlich ein sportlicher Ritterschlag, Spitzenliga, Spitzen-Gegner, Spitzenniveau. Aber es ist vor allem ein finanzieller Kraftakt. Die Champions League ist ein teures Unternehmen. Der VfB Friedrichshafen hat in der Saison 2002 dafür mindestens 150 000 Euro bezahlt. Und als der VfB in der Bodensee-Sporthalle völlig überraschend gegen Bayer Wuppertal verloren hatte und damit das erwartete Finalduell mit dem SCC ausfiel, da höhnten sie beim VfB, der klamme SCC könne es sich doch gar nicht leisten, Meister zu werden. Weil der Meister doch Champions League spielen darf, der SCC aber kein Geld hat.

Ein Champions-League-Teilnehmer muss nicht bloß eine Art Startgebühr von 30 000 Schweizer Franken zahlen, die, je nach Erfolg, teilweise zurückfließen, sondern vor allem einen Fernsehsender stellen, der mindestens 40 Minuten der jeweiligen Heimspiele überträgt. Der SCC muss sich im schlimmsten Fall an den Produktionskosten beteiligen. Und deshalb ist es eher unwahrscheinlich, dass das DSF die SCC-Heimspiele senden wird. Das DSF verlangte in der vergangenen Saison rund 25 000 Euro pro Partie.

Niroomand denkt nun an den Sender Freies Berlin (SFB). Der hatte schon vor drei Jahren Champions-League-Spiele des SCC übertragen. Kostenlos, dafür aber flimmerten die Spiele überaus spät über die Mattscheiben. Jetzt hofft Niroomand, dass sich mit dem SFB wieder ein ähnlicher Deal vereinbaren lässt – zum Nulltarif, wenn irgendwie möglich.

Klar ist auf jeden Fall, dass der SCC für die Champions League melden wird, auch wenn der Wettbewerb keine große Einnahmequelle ist. Konkret hängt das vom Sender ab. Überträgt der SFB, kann Niroomand Banden eigentlich nur an regionale Unternehmen verkaufen. Zeigt das DSF die SCC-Spiele, also ein nationaler Sender, kann Niroomand für die Firmenlogos mehr verlangen.

Aber es geht ja vor allem ums Image. „Bei Heimspielen werden wir in der Sömmeringhalle einen Vip-Raum aufbauen und uns um die Sponsorenbetreuung kümmern“. Eine bedeutsame Einnahmequelle des SCC sind ja Kleinunternehmer und andere Geschäftsleute. Ihre Einzelbeträge sind nicht allzu groß, aber die Masse macht’s. 250 000 Euro strebt Niroomand aus diesem Topf an, noch hat er das Geld nicht beisammen.

Sollte es mit dem SFB jedoch nicht klappen – egal. Dann bliebe zwar als ernsthafte Alternative nur noch das DSF, aber für Niroomand wäre damit das Thema Champions League keineswegs abgehakt. Im Gegenteil. „Gehen Sie davon aus“, sagt er, „dass wir die Mittel für das DSF auftreiben würden.“

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