Sport : Ein Ticket, ein Traum

Das Starboot erhält eine letzte olympische Chance

André Wornowski
Hängen sich rein. Die Segler Frithjof Kleen (l.) und Robert Stanjek. Foto: Alex Fechner
Hängen sich rein. Die Segler Frithjof Kleen (l.) und Robert Stanjek. Foto: Alex Fechner

Berlin - Robert Stanjek hätte verschwinden können, schließlich hatte der Segler sein Ziel bei der Kieler Woche erreicht. Gemeinsam mit Frithjof Kleen schob er sich im Starboot an Platz eins der nationalen Olympiaqualifikation. Doch Stanjek ist geblieben, um sich ein bisschen Geld dazu zu verdienen, und unterstützte als Taktiker ein Team bei der X-99-Weltmeisterschaft. Zusätzliche Einnahmen kann er immer gut gebrauchen. Denn das Starboot ist nicht nur die älteste, aufregendste und anspruchsvollste olympische Bootsklasse, es ist auch die teuerste.

Zwischen 200 000 und 250 000 Euro beträgt das jährliche Budget. Zu viel aus Sicht der Internationalen Sailing Federation (Isaf), die im Mai beschloss, das Starboot ab 2016 aus dem olympischen Programm zu nehmen. Eine Entscheidung, die Stanjek erschüttert. „Hier trifft sich das Who-is-Who der Szene, hier kommen die Segelgiganten zusammen“, sagt der 30-Jährige, der immer davon geträumt und immer dafür gelebt hat, im Starboot zu Olympia zu fahren. 2012 ist seine letzte Chance. „Ich mag gar nicht daran denken, dass meine olympische Karriere danach wahrscheinlich vorbei ist“, sagt Stanjek. Wahrscheinlich. Eine leise Hoffnung hat er noch: Die Brasilianer, Gastgeber der Spiele 2016, setzen alles daran, das Starboot als elfte Segeldisziplin ins Programm zurück zu holen. „Die haben einige Starboottitanen und werden ein paar Millionen investieren“, sagt Stanjek, der aber nur von einem „bescheidenen Optimismus“ spricht.

Was kommt, wenn die Bemühungen scheitern, vermag er nicht zu sagen. Der Schwergewichtssegler konzentriert sich ausschließlich auf die laufende Olympia-Qualifikation, in die er und Vorschoter Kleen viel Zeit und viel Geld investiert haben. Das Duo versammelt eine ganze Trainermannschaft um sich. Hierzu gehören unter anderen America’s-Cup-Teilnehmer Tim Kröger, Starboot-Olympiasegler Marc Pickel und Matchrace-Experte Markus Wieser. Die qualifizierte Vielfalt ist ihre Philosophie, die laut Stanjek bisher aufgegangen sei. Einen Punkt beträgt der Vorsprung, mit dem die Berliner im Dezember in die letzte Qualifikationsregatta vor Perth gehen werden. „Wir sind optimistisch“, sagt Steuermann Stanjek, räumt aber ein, dass „alle noch Chancen haben“. Das Niveau ist hoch, die Konkurrenz groß: Vier Teams streiten sich um einen Platz.

Stanjek und Kleen gelten als Favoriten, auch weil sie schon 2006 für Aufsehen gesorgt haben. Als Newcomer schossen sie damals in der Weltrangliste nach oben und galten als die Talente. Dann kam es zur überraschenden Trennung, „weil wir uns menschlich verfranzt hatten“, sagt Stanjek. Beide gelten als ungleiches Paar: Hier Stanjek, der stille Perfektionist, der viel analysiert und behutsam vorgeht. Dort Kleen, der ebenso wuchtige wie bewegliche 110-Kilo-Koloss, der mit viel Power, Kraft und Temperament auftritt.

Nach der sportlichen Scheidung segelte Kleen mit den besten Steuermännern der Welt, unter anderem mit Brasiliens Segelstar Robert Scheidt. Bei der Olympia-Qualifikation müssen jedoch zwei Deutsche in einem Boot sitzen. Für ihren Traum haben sich Kleen und Stanjek daher noch einmal zusammengerauft. „Wir befolgen jetzt einige Regeln“, sagt Stanjek. Beide meiden lange gemeinsame Autofahrten, schlafen in getrennten Hotels und treffen sich erst vor dem Start im Hafen. „Die Arbeitsatmosphäre auf dem Boot ist jetzt gut“, sagt Stanjek, „gute Freunde ist aber etwas anderes.“ Gute Olympioniken – das würde auch reichen.

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