Sport : Ein tierisch schneller Bodyguard

Beim Saisonauftakt am Ostersonntag gewinnt ein Hoppegartener das Hauptrennen

Ingo Wolff

Hoppegarten. Helena Hryniewiecka hatte einen roten Kopf und hing ihrem Hengst tief im Nacken. Bodyguard of Spain raste dicht am Zaun vor den Zuschauern in Hoppegarten vorbei und hinter ihm jagte der Favorit Areias hinterher. „Nun lauf doch“, schrie die Reiterin rund 300 Meter vor dem Ziel auf Polnisch, und die Zuschauer vor der Tribüne konnten ihr Worte hören, doch richtig verstanden hat sie wohl nur ihr Hengst. Bodyguard of Spain legte Tempo zu und rettete sich überraschend als Sieger ins Ziel. Es war ein unerwarteter Heimsieg zum Saisonauftakt vor 15 400 Zuschauern auf der Galopprennbahn in Hoppegarten am Ostersonntag.

Aus den großen Trainingsquartieren in Westdeutschland waren die Favoriten Areias, Fiepes Shuffle und Barrichello angereist, doch am Ende blieben die 12 000 Euro Siegprämie beim Hoppegartener Trainer Christian Zschache und seiner Frau Elle, der Besitzerin des Pferdes. Für Fiepes Shuffle blieb hinter Areias nur Platz drei, und Barrichello wurde nur Siebenter im Sprint-Cup.

Zschache saß nach dem Sieg bewegt und still an der Jockeywaage. Das ist sein Platz während der Renntage. Der ehemalige Jockey überprüft dort noch einmal das Gewicht der Jockeys nach dem Rennen. Dort im Waagegebäude verfolgt er sonst auch die Rennen. Diesmal war er bis zum Zielturm gefahren – denn Zschache sitzt seit einem Trainingsunfall vor fünf Jahren im Rollstuhl. Bis zu diesem Sturz war er einer der beliebtesten und erfolgreichsten Jockeys in Hoppegarten. In der vorigen Saison startete er seine zweite Karriere: Als so genannter Besitzertrainer betreut er drei eigene Pferde, darunter auch Bodyguard of Spain.

„Die Order war vorne zu gehen, wenn kein anderer geht", sagt Zschache. Gleich nach dem Start hatte sich Helena Hryniewiecka an die Spitze gesetzt und diese Position bis ins Ziel gehalten. Damit hat die einzige Reiterin im Feld alle überrascht – nur nicht sich selbst und ihren Trainer. „Wir haben damit gerechnet“, sagt sie und grinst. „Er hat den Winter besser überstanden als im Vorjahr.“ Damals war Bodyguard of Spain im selben Rennen nur als Fünfter angekommen. Im Laufe der Saison hat der Hengst dann viermal gewonnen. „Mein Trainer hat sich alles genau aufgeschrieben“, sagt sie. „Wir haben diesen Winter härter gearbeitet, und deshalb ist er früher fit.“ Es war der insgesamt siebente Sieg für den fünfjährigen Hengst.

Helena Hryniewiecka war daran wesentlich beteiligt. Sie ist der letzte verbliebene feste Jockey in Hoppegarten. Die 30-Jährige arbeitet im Stall von Trainer Lord John FitzGerald, und nachmittags geht sie dann zu Christian Zschache in den Stall und pflegt Bodyguard of Spain. „Er ist mein ein und alles“, sagt sie. „Ich erzähle ihm immer alles. Er weiß mehr von mir als jeder andere.“ Bodyguard of Spain wusste so auch, dass die Reiterin im Herbst Heimweh hatte und eigentlich zurück in die polnische Heimat wollte.

Wegen ihm ist sie geblieben, auch wenn sie in den großen Rennen bislang immer einem anderen Jockey weichen musste. „Ich bin kein so guter Jockey“, sagt die Polin. Doch im ersten Rennen der Saison durfte sie mit ihrem Lieblingspferd an den Start. „Christian will im ersten Rennen kein Stress für das Pferd.“ Ein anderer Jockey hätte das Pferd mehr getrieben, doch auch ohne Druck hat es zum Sieg gereicht. Dafür hat Helena Hryniewiecka ihren Bodyguard of Spain nach dem Rennen im Siegerzirkel auch herzhafter gedrückt, als es jeder andere Profijockey tut.

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