Sport : Ein tierisches Vergnügen

Die Bayern weisen Stuttgart und sonstige ungebetene Gäste in die Schranken

Daniel Pontzen[München]

Uli Hoeneß ist ein Mensch mit gepflegtem Wortschatz, die Vokabel „geil“ findet in seinen Sätzen selten Verwendung. Kürzlich, als er über mögliche Entwicklungen im diesjährigen DFB-Pokal sinnierte, musste er eine Ausnahme machen. Ein Finale, in dem der FC Bayern auf die eigenen Amateure trifft, war nach seinem Empfinden mit keinem Wort passender zu beschreiben. Die Vorstellung von uneingeschränkter FC-bayerischer Herrschaft im deutschen Fußball, sie bereitete dem Manager des FC Bayern augenscheinlich Freude, und einstweilen bleibt ihm diese hübsche Hoffnung erhalten. Nachdem die Amateure am Dienstag ins Viertelfinale eingezogen waren, folgte ihnen die Premiumabteilung gestern Abend durch ein hochverdientes 3:0 über den VfB Stuttgart.

Bayerns Trainer Felix Magath hatte in der Mannschaftssitzung keinen Zweifel daran gelassen, wie wichtig ihm ein Sieg gegen seine ehemalige Mannschaft ist. Der Rekordpokalsieger aus München legte beherzt los, in den ersten vier Minuten rauschten drei Schüsse in Richtung VfB-Tor, den gefährlichsten hatte Roy Makaay von der Strafraumlinie nur Zentimeter neben das Tor von Timo Hildebrand gesetzt. Sein Gegenüber, Nationalelf-Kontrahent Oliver Kahn erlebte indes eine sehr ruhige erste Halbzeit, nur einmal wurde er gestört. Allerdings war es kein Stuttgarter Angreifer, der sich in seine Nähe getraut hatte, sondern ein Fan, der in ein Tierkostüm gehüllt in bester Laune dem Torwart entgegen hüpfte. Kahn schaute, wie man eben schaut, wenn einem um kurz vor neun bei der Arbeit eine missglückte Kreuzung aus weißem Bär und Pferd gegenübersteht, und erwiderte gezwungenermaßen die Umarmung. Selbst Felix Magath musste darüber lachen.

Seine Laune sollte sich weiter bessern. Die Bayern beherrschten den Gegner in jeder Phase, von der Unsicherheit seiner Vorderleute ließ sich auch Hildebrand anstecken. Einen harten Distanzschuss von Michael Ballack konnte er nicht festhalten – 0:1 im Pannenduell, aber ohne Folgen. Keine Schuld traf den VfB-Keeper wenig später, als sich die Münchner Überlegenheit erstmals auszahlte. Owen Hargreaves legte sich 22 Meter vor dem Tor den Ball zurecht und zimmerte ihn unhaltbar in die Maschen. Die Stuttgarter Elf blieb auch danach schuldig, warum die Mannschaft in der Bundesliga an dritter Stelle steht. Die Ausbeute ihrer Offensivarbeit der ersten Hälfte: ein Schuss übers Tor.

Nach dem Wechsel fanden die Gäste besser ins Spiel, echte Gefahr aber ging von ihnen nicht aus. Die erste und einzige Chance vergab Christian Tiffert. Zwei Minuten später sorgten die Bayern für die frühe Entscheidung: Hargreaves hob einen Freistoß gefühlvoll in den Strafraum, Michael Ballack stieg hoch und köpfte zum 2:0 ein. Danach schienen sich beide Mannschaften darauf zu beschränken, Kräfte für die anstehenden Aufgaben zu sammeln – bis Ballack Makaay steil schickte, der Hildebrand umkurvte und den Endstand markierte.

Für die Bayern bleibt damit die Erkenntnis, dass der holprige Saisonstart keine bleibenden Schäden hinterlassen hat – die Ausgangslage ist in sämtlichen Wettbewerben viel versprechend. Es ließ sich unschwer erahnen, mit welchem Gefühl Uli Hoeneß die Heimreise antrat.

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