Sport : Ein Titel für Hertha

Beachvolleyball: Goller/Ludwig werden erneut Meister

Felix Meininghaus[Timmendorfer Strand]

„Hertha BSC ist Deutscher Meister“, ist eine Meldung, die in der Hauptstadt viele Menschen auf die Beine bringen würde. Wenn es um Fußball ginge. Die Fußballer haben sich 1931, also vor 76 Jahren, letztmalig mit dem Titel schmücken dürfen und sind auch aktuell weit davon entfernt, sich solchen Tagträumen hingeben zu können. Da passt es doch vortrefflich, dass sich Hertha in einer anderen Sportart ein Team gönnt, das für entgangene Titelgelüste zumindest ein wenig entschädigt: Sara Goller (23) und Laura Ludwig (21) haben sich in Timmendorfer Strand zum zweiten Mal in Folge die nationale Krone der Beachvolleyballer aufgesetzt. Sie gewannen das Finale gegen Helke Claasen und Antje Röder, die für den VC Olympia Berlin an den Start gehen, mit einem dramatischen 2:1 (20:22, 21:12, 20:18) und kassierten dafür als Siegprämie zwei Kleinwagen im Wert von insgesamt 30 000 Euro.

Allerdings benötigten die neuen Deutschen Meister eine gehörige Portion Glück, um sich gegen ihre enorm starken Widersacherinnen durchzusetzen. Erst nach Abwehr von fünf Matchbällen gelang es Goller/Ludwig, die Partie zu ihren Gunsten zu entscheiden. Als der letzte Ball in den Sand gefallen war, flossen bei Sara Goller Tränen des Glücks und der Erleichterung: „International sind wir die Küken und können locker drauflos zocken“, sagte sie, als die Fassung wiedererlangt hatte, „aber hier stehen wir richtig unter Druck.“

Während der Triumph im vergangenen Jahr für das aufstrebende Hertha-Duo noch eine Sensation war, waren Goller/Ludwig dieses Mal als Favoritinnen an den Ostseestrand gereist. Die Ausgangslage formulierte Trainer Olaf Kortmann so: „Einerseits ist es schwerer geworden, weil die Leichtigkeit weg ist und beide jetzt gejagt werden. Andererseits ist es einfacher, weil Sara und Laura reifer geworden sind und mehr internationale Erfahrung haben.“

Die Herausforderung deutsche Meisterschaft meisterte das Team mit Bravour. Es war eine weitere Lektion ihrer Reifeprüfung. Kortmann: „Was sie machen, ist gut auf dem Weg, richtig erwachsen zu werden.“ Das wird auch in der Szene registriert. So ist Sara Goller von den Lesern des „Volleyball Magazins“ jüngst zur „Beachvolleyballerin des Jahres“ gewählt worden. Mit ihrem Trainer entstand daraufhin der folgende SMS-Dialog. Goller: „Früher waren das für mich die Großen, die da gewählt wurden.“ Kortmann: „Du bist jetzt auch eine Große.“ Goller: „Vielleicht eine kleine Große.“

Auf dem Weg zur wirklichen Größe fehlt nach dem Gewinn der EM-Silbermedaille vor einer Woche nun noch die Qualifikation für Olympia in Peking. Zwei deutsche Frauenteams dürfen nach China fahren. Bei den internationalen Wettkämpfen dieser Saison haben sich Goller/Ludwig ganz klar in die Poleposition geschmettert. Bei der EM in Valencia sind 450 weitere Punkte dazugekommen. Nicht nur deshalb ist sich Kortmann sicher: „Jetzt müssen schon schreckliche Dinge passieren, damit es nicht klappt.“

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