Sport : Ein Titel und ein Dopingfall

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Als es geschafft war, kamen die Tränen. „Ich habe nach der karierten Flagge unterm Helm geweint“, gestand der Tscheche Tomas Enge mit unsicherer Stimme. Er hatte sich gerade den Formel-3000-Europameistertitel geholt. Sicher hat er ihn aber noch nicht: Am Dienstag vor Monza war das positive Ergebnis seiner Dopingprobe vom Rennen in Ungarn bekannt geworden. Es ist der erste Dopingfall im internationalen Motorsport überhaupt.

Und ein rätselhafter. Der junge Tscheche, der hier in Monza vor einem Jahr in der Formel 1 debütierte und der immer noch auf eine Rückkehr hofft, soll eine zumindest Cannabis-ähnliche Substanz eingenommen haben, auch wenn es offiziell niemand bestätigt. „Ich habe nichts Derartiges genommen, nichts geraucht. Ich kann mir das nicht erklären“, betont er. „Vielleicht wurde ja was verwechselt. Jetzt muss ich auf die B-Probe warten.“ Enge verweist nur auf die Tabletten, die er gegen seine Rückenschmerzen nimmt. Die könnten solche Opiate enthalten.

In der Formel 3000 werden die Fahrer grundsätzlich nicht so umfassend medizinisch betreut wie in der Formel 1 – auch weil im Rennsport Doping normalerweise überhaupt kein Thema ist. Deshalb schütteln viele Kollegen den Kopf. Jeder weiß, dass Doping im Motorsport nichts bringt – Cannabis schon gar nicht. Und weil Enge dafür bekannt ist, selbst Zigarettenrauch von anderen auszuweichen. Auch Nick Heidfeld, der Enge sehr gut kennt, glaubt: „Tomas käme nie auf die Idee, einen Joint zu rauchen.“

Enge will erst in den kommenden Tagen entscheiden, wie er weiter vorgehen will. Am 1. Oktober muss er sich vor dem Weltmotorsportverband FIA verantworten, der ihm den Ungarn-Sieg und damit auch den Titel aberkennen könnte. Möglich ist sogar eine Sperre, wenn die FIA an ihm ein Exempel statuieren will. „Egal, was passiert, ich weiß, was ich geleistet habe“, meint Enge. „Das kann mir niemand mehr nehmen, und darauf bin ich stolz. Das andere kann ich nicht beeinflussen. Ich hoffe einfach, dass es gut ausgeht.“ Karin Sturm

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