Sport : Ein Tor gegen den Fluch

Der FC Chelsea gewinnt im Halbfinal-Hinspiel der Champions League 1:0 gegen den FC Liverpool

Raphael Honigstein[London]

Wenn der FC Chelsea auf den FC Liverpool trifft, spielt immer auch die Geschichte mit, und die Geschichte ist auf Seiten der Liverpooler. Vor zwei Jahren setzten sie sich auf dem Weg zum Titelgewinn im Halbfinale der Champions League gegen die Londoner durch, weil diesen gegen das Liverpooler Abwehrbollwerk weder im Hin- noch im Rückspiel ein Tor gelungen war. Und warum, so mag sich Liverpools Trainer Rafael Benitez gedacht haben, soll man eine einmal erfolgserprobte Taktik ändern? Seine Mannschaft spielte auch gestern, wieder im Halbfinale der Champions League, im Zweifel defensiv. Doch diesmal ging der Plan des Spaniers nicht auf. Durch ein Tor von Joe Cole gewann Chelsea das Hinspiel im eigenen Stadion 1:0 und hat nun gute Chancen, erstmals das Finale der Champions League zu erreichen.

Es war, als wäre ein Fluch gebrochen, als der Ball nach einer knappen halben Stunde im Tor der Liverpooler lag. Vorausgegangen war ein Konter, wie er zu sein hat: über nur zwei Stationen aus der eigenen Abwehr heraus. Innenverteidiger Carvalho eroberte den Ball kurz vor dem Strafraum, passte ihn auf die rechte Seite hinaus zu Didier Drogba. Der Stürmer, bedrängt von Daniel Agger, spielte in die Mitte, wo Joe Cole einen Schritt weiter war als sein Gegenspieler Arbeloa. Liverpools Torhüter Pepe Reina hatte keine Abwehrchance.

Der FC Chelsea, der auf den am Sprunggelenk verletzten Michael Ballack verzichten musste, spielte von Beginn an offensiv. Liverpools eher zurückhaltende Art äußerte sich schon darin, dass Trainer Benitez auf seinen knapp zwei Meter großen Stoßstürmer Peter Crouch verzichtete, der im laufenden Wettbewerb bereits sechs Tore für den FC Liverpool erzielt hat.

In der achten Minute hatte Frank Lampard die erste Chance für die Mannschaft von Trainer José Mourinho. Sein Schuss aus elf Metern aber war zu unplatziert. Reina konnte abwehren. In der 21. Minute hatte Liverpools spanischer Torhüter Glück. Er segelte an einer Flanke vorbei, doch auch Didier Drogba in der Mitte verpasste den Ball. Kurz darauf verfehlte Lampard mit einem Freistoß das Ziel.

Die Liverpooler bemühten sich gegen die stürmenden Londoner vor allem um Spielkontrolle, den direkten Weg zum Tor von Petr Cech suchten sie nicht zwingend. Der tschechische Nationalkeeper musste in der ersten Halbzeit kein einziges Mal eingreifen. Bei der einzigen Chance für die Gäste köpfte Steven Gerrard den Ball nach einer Flanke von Dirk Kuyt über das Tor (37. Minute).

In der zweiten Halbzeit intensivierte der FC Liverpool seine Offensivbemühungen. Sichtbares Zeichen für das neue Denken bei Benitez war die Einwechslung von Peter Crouch fünf Minuten nach der Pause. Der Mittelstürmer war kaum auf dem Feld, als Cech zum ersten Mal eingreifen musste. Einen platzierten Schuss von Gerrard lenkte er gerade noch zur Ecke.

Chelsea stellte das eigene Angriffsspiel nun weitgehend ein, beschränkte sich auf einzelne Konter und überließ den Liverpoolern großherzig die Initiative – mit dem Hintergedanken, dass diese damit nicht allzu viel anzufangen wüssten. Das Übergewicht der Gäste offenbarte sich in einem Eckenverhältnis von 5:1. Doch Liverpool fehlte es an der tragenden Idee, um die Abwehr der Londoner zu überwinden. Echte Chancen erarbeiteten sie sich nicht. Im Gegenteil: In der Schlussphase hatten die Londoner die besseren Chancen. Erst köpfte Drogba knapp am Tor vorbei, dann parierte Reina Lampards Schuss. Aber auch ein 1:0 kann ein schönes Ergebnis sein. Das hat der FC Liverpool vor zwei Jahren bewiesen.

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