Sport : Ein Torjäger erwacht

Frankfurts Takahara trifft drei Mal in einem Spiel

Hartmut Scherzer

Aachen - Im Gespräch mit seinen Landsleuten, zwei japanischen Journalisten, beschränkte sich Naohiro Takahara zunächst nur auf ein Wort. „Saiko“, sagte er glücklich. Einer der beiden Zuhörer, Muttersprache Japanisch und in Heidelberg zu Hause, übersetzte: „Sinngemäß heißt das in etwa: geil.“ Naohiro Takahara, Stürmer bei Eintracht Frankfurt, schwelgte einfach in Glückseligkeit. Kein Wunder: Drei Tore hatte er zuvor für seine Mannschaft erzielt – zum 3:2-Sieg der Frankfurter bei Alemannia Aachen.

Der 27-jährige Stürmer aus Shizuoka hat zwar zuletzt bei Japans 2:2 gegen Deutschland beide Treffer für sein Land erzielt, aber noch nie drei Tore in einem Spiel: nicht für die Tokai University, die Shimizu High School, die Boca Juniors Buenos Aires, Jubilo Iwata und schon gar nicht in den dreieinhalb Jahren für den Hamburger SV. Eintracht-Chef Heribert Bruchhagen hatte nur Kopfschütteln ausgelöst, als er im Sommer 750 000 Euro locker machte, um entgegen seiner Philosophie von einer deutschsprachigen Mannschaft den japanischen Stürmer in Hamburg einzukaufen.

Dessen Referenzen waren wenig erbaulich: nur 13 Tore in dreieinhalb Jahren und 97 Bundesligaspielen, ein mickriges Tor in der vorigen Saison beim HSV (21 Einsätze). Überhastet vermasselte er oft beste Torgelegenheiten. Typisch Takahara, stöhnte auch Frankfurts Anhang, als Takahara am vergangenen Donnerstag im Uefa-Pokal gegen Newcastle (0:0) zwei Minuten vor Schluss allein vor des Gegners Tor den Ball über Torwart Shay Given und die Latte lupfte. „Das Tor hätte ich machen müssen“, sagte Takahara tief betrübt.

Und nun, nur drei Tage später? Sein seliges Lächeln nach dem Schlusspfiff in Aachen, die Freude, als ihn Trainer Friedhelm Funkel in die Arme schloss, verrieten mehr als das gestammelte Deutsch vor Kameras und Mikrofonen. „Heute habe ich endlich die Tore gemacht, das ist super für mich“, sagte Takahara. Ohne lange zu fackeln, mit drei strammen Rechtsschüssen, hatte er alle drei Treffer erzielt. Weil zwei „so wichtige Spieler“ wie Thurk und Amanatidis verletzt gefehlt hätten, habe er sich für die Tore verantwortlich gefühlt. Beachtlich seine Effizienz: vier Schüsse aufs Tor, drei Treffer. Mit sechs Toren in elf Spielen steht Takahara jetzt unter den Top Ten der Bundesliga-Torjäger.

Und auch Heribert Bruchhagen fühlt sich jetzt bestätigt. „Ich habe Takahara geholt, weil er ein guter Konterstürmer ist. Wir wussten, dass er dazu neigt, Chancen zu vergeben, aber er ist sehr beweglich. Und wenn er jetzt auch noch die Tore macht, freuen wir uns umso mehr.“ Zumal Naohiro Takahara nach dem Eindruck von Friedhelm Funkel „der bei uns am kritischsten beäugte Spieler ist“. Am Sonntag wurde Takahara aber von den Fans nur noch gefeiert.

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