Sport : Ein Trainer in Abwehrhaltung

Willi Reimann hat den DFB und Teile der Eintracht gegen sich

Frank Hellmann

Frankfurt (Main). Baukräne drehen sich, Laster bringen riesige Fertigteile, Arbeiter hangeln am Betongerüst entlang, erste Stützen des Faltdachs sind montiert. Hier wächst die neue Frankfurter WM-Arena. Neben der Baustelle liegen die Trainingsplätze der Frankfurter Eintracht. An diesem kühlen Dienstagmorgen hat sich Willi Reimann einen Platz hinten in der Ecke gesucht. Die Anweisungen erteilt Kotrainer Jan Kocian. Reimann schaut zu, die Arme verschränkt. Sinnbild einer Abwehrhaltung.

Reimann, Trainer-Traditionalist, als schweigsam, stoisch, bisweilen störrisch beschrieben, hat sich erneut selbst ins Abseits manövriert. Mit zwei Schubsern gegen den vierten Schiedsrichter Thorsten Schriever am vergangenen Samstag hat Reimann einen Präzedenzfall in der Bundesliga geschaffen. Die Affäre produziert eine Resonanz, die der Eintracht in dieser Form gar nicht lieb ist. Im Herbst schon hatte Reimann die eigenen Fans gegeißelt („dumme Ochsen“), kürzlich ließ er sich zu unnötigen Provokationen gegen Klaus Gerster hinreißen, den Berater von Andreas Möller („dem gehört in die Fresse gehauen“). Schon da bestellte Heribert Bruchhagen ihn zum Rapport, nun rüffelte der Vorstandsvorsitzende öffentlich das „absolute Fehlverhalten“. Doch Bruchhagen weicht vorerst nicht von Reimanns Seite. Noch kann die Eintracht nicht ohne den unnahbaren Westfalen.

Zusammen mit Sportjurist Christoph Schickhardt ist die Verteidigungsstrategie ausgetüftelt worden, nach der heute vor dem DFB-Sportgericht das vom Kontrollausschuss geforderte Strafmaß einer Innenraum-Sperre für fünf Spiele und 25 000 Euro reduziert werden soll. Schickhardt sagt: „Es spricht alles für Willi, außer die Tat.“

Reimann, Bruchhagen und Schickhardt wollen die Vorwürfe jedenfalls entkräften. Doch dem Vernehmen nach werden die DFB-Richter die Strafe nicht erheblich mildern, indes auch von einem Lizenzentzug auf Zeit, also einem vorübergehenden Berufsverbot, absehen. Die Spieler sehen der sicheren Sperre unaufgeregt entgegen. „Es wäre schlimmer, wenn er zwei Wochen krank wäre“, sagt Kapitän Alexander Schur. Routinier Uwe Bindewald kritisiert indes das vorgesehene Strafmaß: „Da ist niemand zu Schaden gekommen. Wer privat ein krummes Ding dreht, kommt besser weg.“ Torwart Oka Nikolov sagt: „Auf dem Platz müssen wir es richten. Bei so einer langen Sperre kann der Trainer ja gleich in Urlaub gehen.“

Der Mannschaft, die im Gros den wortkargen Reimann eher respektiert denn akzeptiert, bietet sich eine seltsame Situation: Gewinnt sie ohne ihn, gibt das Kritikern neue Argumente, die Reimann lieber heute als morgen los werden wollen. Vereinspräsident Peter Fischer zählt zu den schärfsten Gegnern und macht keinen Hehl daraus, dass er Reimann für den falschen Trainer und Repräsentanten hält. Und als Bruchhagen am Montagabend vor Unternehmensvertretern stilvoll um Investitionen in das Zukunftsprojekt Eintracht Frankfurt warb, hatte Reimann nur einen wenig beachteten Kurzauftritt – ganz so, als spiele er schon in mittelfristigen Planspielen keine Rolle mehr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar