Sport : Ein Trainer steigt auf

Leverkusens neuer Coach heißt Bruno Labbadia

Richard Leipold[Leverkusen]

Als Wolfgang Holzhäuser am Sonntag die Fahrt nach Franken antrat, hatte er „ein mulmiges Gefühl“. Doch die Reise hat sich gelohnt. Tags darauf konnte der Geschäftsführer von Bayer Leverkusen Bruno Labbadia als neuen Cheftrainer des Fußball-Bundesligaklubs vorstellen. Labbadia tritt die Nachfolge von Michael Skibbe an, der am vergangenen Mittwoch entlassen worden war; der 42 Jahre alte neue Fußball-Lehrer erhält einen Vertrag bis Juni 2010. Das mulmige Gefühl Holzhäusers bezog sich nicht etwa auf die Frage, ob Labbadia die richtige Wahl sei oder ob er das Angebot annehmen würde. Er sei der Wunschkandidat gewesen und nicht Mirko Slomka, der auch im Gespräch war. Schwierig sei es allerdings gewesen, Labbadias bisherigen Arbeitgeber in Person des Vereinspräsidenten Helmut Hack die Freigabe abzuringen. Der Umworbene stand beim Zweitligaklub Greuther Fürth noch bis Juni 2009 unter Vertrag und war dort hoch geschätzt.

Hack sträubte sich zunächst dagegen, Labbadia abzugeben und gab offenbar erst nach zähen Verhandlungen nach. Bei den Verhandlungen sahen die Bayer-Verantwortlichen sich in ihrem Begehren noch bestärkt. „Die Gründe, warum er Bruno nicht hergeben wollte, sind genau die Gründe, warum wir ihn haben wollten“, sagte Holzhäuser. Hacks Laudatio muss den Leverkusener Geschäftsführer mächtig beeindruckt haben. „Ich habe drei Begriffe in meinem Notizbuch vermerkt, die Labbadias Berufsauffassung besonders kennzeichneten“, sagte Holzhäuser. „Totales Engagement, Akribie und: dass er Fußball lebt.“

Am Ende konnte Bayer dem Zweitligaklub die Freigabe offenbar aufgrund eines Kooperationsangebotes schmackhaft machen. Der Bundesliga-Siebte hat den Fürthern angeboten, gelegentlich Spieler auszuleihen, die sich in Leverkusen (noch) nicht durchsetzen können. Ob auch Geld ins Fränkische überwiesen wird, ließ Holzhäuser offen.

Labbadia hatte sich schnell überzeugen lassen; er beteuerte aber, die Trennung sei ihm nicht leicht gefallen. Zwar hatte Labbadia nur ein Jahr lang in Fürth gearbeitet, aber die Zeit sei ihm vorgekommen „wie zehn Jahre, so intensiv war das“. Zuvor hatte der frühere Bundesligaprofi, der mit Bayern und Kaiserslautern Deutscher Meister wurde, nur den Amateurklub Darmstadt 98 trainiert. Der Wechsel nach Leverkusen bedeutet für ihn eine Chance, die schneller kam als erwartet. Diese Gelegenheit habe er sich nicht entgehen lassen können. „Ich wollte den nächsten Schritt machen und bei einem top geführten Klub mit einer starken Mannschaft anfangen.“

Von einem Neuanfang sprach auch Sportdirektor Rudi Völler. Allerdings sieht der neue Trainer sich mit hohen Erwartungen konfrontiert. Der siebte Platz in der vergangenen Saison war für Bayer eine große Enttäuschung. Im nächsten Jahr wolle der Klub zurück ins internationale Geschäft, sagte Völler. Mittel- und langfristig sei sogar wieder die Teilnahme an der Champions League angestrebt. Das mache größere Investitionen erforderlich. Zum 1. Juli wechselt der Kölner Jung-Nationalspieler Patrick Helmes nach Leverkusen. Dabei wird es nicht bleiben. „Es werden noch einige Sahnestückchen dazukommen“, sagte Völler.

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