Sport : Ein Trainer verliert sich

Die Eisbären patzen, Don Jackson wirkt ratlos – nun fehlt der Coach aus privaten Gründen

Katrin Schulze

Berlin - Don Jackson schaute ernst. Er legte die Stirn in Falten, machte einen verbitterten Eindruck. Seine Eisbären hatten gerade 2:4 gegen die Hamburg Freezers verloren. Doch es war nicht nur diese Niederlage, die Jacksons Stimmung trübte. Vielmehr dachte er wohl an seine Familie. Wegen der flog der 51 Jahre alte Trainer gestern für neun Tage in die USA. „Das Problem kannten wir seit Donnerstagabend,“ sagt Peter John Lee. Was genau das Problem ist, wollte der Eisbären-Manager allerdings nicht verraten. Nur soviel: „Es ist keiner gestorben, aber die Lage ist sehr ernst.“

Die Abreise von Jackson kommt für die Eisbären zu einem äußerst ungelegenen Zeitpunkt. Schließlich ist auch für sie die Lage momentan sehr ernst. Seit Jahresbeginn haben die Berliner vier von fünf Spielen verloren, nur die Düsseldorfer EG hat im Jahr 2008 weniger Punkte geholt – und das auch nur, weil sie drei Spiele weniger absolviert hat. Die letzte Niederlage der Eisbären stammt von Freitagabend, als die Berliner gegen schwache Hamburger verloren, erschöpft und kraftlos wirkten. Zwar sind die Eisbären mit einem Punkt Vorsprung noch Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga, doch die Tendenz zeigt nach den jüngsten Auftritten deutlich abwärts.

Jacksons Philosophie scheint das erste Mal an ihre Grenzen zu stoßen. Anders als sein Vorgänger Pierre Pagé, der „immer Visionen hat, über die er philosophiert“ wie Jackson sagt, denkt der US-Amerikaner „von Spiel zu Spiel“. Diese Methodik hat der Trainer auch auf die Spielweise seines Teams übertragen: Er trainierte viel und hart, ließ ein kräftezehrendes System spielen – mit vielen Einsatzzeiten für seine Lieblingsspieler. Das brachte zwar kurzfristigen Erfolg: Jackson führte seine Mannschaft auf Rang Eins der DEL, stand für kraftvolles, temporeiches und filigranes Eishockey. Angesichts der derzeitigen Formschwäche stellt sich aber nun die Frage, ob dieses System bis zu den Play-Offs durchzuhalten ist.

Dabei wurde Jackson vor der Saison geholt, um in aller Ruhe eine erfolgreiche Mannschaft zu formen und dabei vor allem den Eisbären-Nachwuchs zu fördern. Das funktionierte anfangs auch: Seine Spieler schwärmten von der großartigen Stimmung, die wegen des neuen Trainers durch das Team gehe. Vor allem die jungen Profis sprachen immer von dem Selbstbewusstsein, das ihnen Jackson verleihe, weil er – anders als Vorgänger Pagé – Fehler verzeihe. Doch das scheint sich nun umgekehrt zu haben. Wenn ein Spiel nicht nach Jacksons Vorstellungen läuft, lässt gerade die jungen deutschen Spieler oft auf der Bank. „Wenn ich mit einem Spieler unzufrieden bin, merkt er das schon daran, dass er weniger Eiszeit bekommt,“ sagt Jackson. Und so mussten gegen Krefeld beispielsweise die Nationalspieler Jens Baxmann, Tobias Draxinger und Frank Hördler am Ende zusehen, während sich ihre nordamerikanischen Kollegen in der Abwehr vergebens verausgabten.

Dies bleibt nicht ohne Spuren. Die anfangs noch so euphorisch gelobten Methoden Jacksons, werden mittlerweile von Spielern kritisiert. „Eines ist klar, es geht zu Lasten der jungen Spieler“, sagt ein Eisbären-Profi. „Dabei kann ich persönlich keine spielerischen Unterschiede zu den erfahrenen Spielern feststellen.“ Die derzeitigen Probleme im Team schiebt der Trainer nun mehr und mehr auf seine jungen Spieler ab. „Es ist an der Zeit, dass die jungen professioneller werden“, sagt Jackson. „In so einer Phase kommt es auf sie an.“ Demoralisierung der Jugend? Das kann nicht im Sinne der Eisbären und ihres Nachwuchskonzepts sein. Aber darum kann sich Jackson erst nach seiner Rückkehr wieder kümmern. Heute, beim Spiel der Eisbären in Straubing, übernehmen die Kotrainer Hartmut Nickel und Jeff Tomlinson seinen Job.

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