Sport : Ein Trainer wie jeder andere

Mathias Klappenbach über das Ende von Hans Meyer in Nürnberg

Mathias Klappenbach

Er war der Höhepunkt jeder Sportschau. Auf Hans Meyers Spruch des Tages konnte man sich schon während des Spielberichtes freuen. Zuverlässig füllte der Trainer seine Rolle als ironisches Original aus, nicht ohne auch diese Rolle dabei gleich wieder zu brechen. Vielen ist gar nicht aufgefallen, dass Meyer durch seine markigen Zitate nebenbei auch die Deutungshoheit über das Geschehene an sich riss. Einzig Hans Meyer legte in der öffentlichen Wahrnehmung fest, woran es bei Sieg oder Niederlage denn gelegen hatte.

Seine Analysen waren objektiv meist treffend, viele Fans konnten sich ihnen getrost anschließen. Denn: Hans Meyer ist ein großer Fachmann und ein sehr guter Trainer. Und ein Trainer, der entlassen wird, wenn sich der Verein in der sportlichen Krise nicht mehr zu helfen weiß. Große Verdienste sind dann unwichtig, auch wenn Meyer mit dem 1. FC Nürnberg den Pokal gewonnen hat und der Klub seiner Person einen großen Beliebtsheitssprung verdankt.

Es ist schwer zu sagen, ob Hans Meyer es auch wieder ironisch gemeint hat, als er davon sprach, dass nur er selbst über sein Ende in Nürnberg bestimmen würde. Wie weltfremd ein solcher Gedanke ist, bekam jeder erst im Dezember vor Augen geführt, als in Bielefeld Ernst Middendorp kurz nach der gleichen Aussage rausgeworfen wurde. Vielleicht hatte es Hans Meyer aber durchaus ernst gemeint. Sein Sonderstatus hätte ihm wohl solche selbstverliebten Gedanken erlaubt. Selbst wenn sich seine kauzige Art in den Augen des einen oder anderen mit der Zeit abgenutzt hatte und Meyer so sogar langsam zur Nervensäge wurde. Wie auch immer: Jetzt, am Ende seiner Nürnberger Amtszeit, ist Hans Meyer ein Trainer wie jeder andere.

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