Sport : Ein Trainer wird einsam

Beim Hamburger SV stützt niemand mehr Labbadia

Frank Heike

Hamburg - Das bisschen Kitt, das diesen HSV noch zusammenhält, heißt Europa League. So viel Eigenmotivation werden die Spieler gerade noch aufbringen, um sich in den Halbfinalspielen gegen den FC Fulham ab Donnerstag zusammenzureißen und womöglich das Endspiel zu erreichen, wie Vorstandschef Bernd Hoffmann es vor zwei Wochen gefordert hat. Für die Bundesliga reicht der Antrieb nicht mehr: Das 0:1 gegen den FSV Mainz 05 lässt den HSV aus den ersten sechs Rängen rutschen. Das Minimalziel gerät in Gefahr, die Qualifikation zur Europa League.

Dass Bruno Labbadia nach nur vier Siegen in 14 Rückrundenspielen überhaupt noch Cheftrainer ist, liegt am ehemaligen Uefa-Pokal: Mit dem Finale im eigenen Stadion vor Augen entlässt man den Trainer nicht. Hoffmann ist längst auf Distanz zu Labbadia gegangen und lässt sich kaum noch blicken. Die Spieler mühen sich, kein schlechtes Wort über den Coach zu verlieren. Ihnen käme aber auch nicht in den Sinn, etwas Gutes über ihn zu sagen.

So ist Labbadia zum einsamen Trainer geworden: Vorstand und Spieler abgerückt, kein Sportchef da, der mal was Nettes sagt. Noch im Januar erzählte Labbadia, er wolle beim HSV „etwas gestalten, das lange hält“. Nun erlebt er, wie sich Geschichte wiederholt: Womöglich wird er zum zweiten Mal als Trainer entlassen, obwohl er ein Finale erreicht hat.

Am Samstag erlebte man etwas Neues beim HSV, als Labbadia mal nicht schwache Leistungen seiner Spieler schön redete, sondern das aussprach, was alle gesehen hatten: „Uns hat in vielen Bereichen das entscheidenden Stück gefehlt“, sagte er leise. Dass Ideen fehlen und Tempo, daran hat man sich in der so enttäuschenden Rückrunde gewöhnt. Gegen gut verteidigenden Mainzer mangelte es – wie zuvor gegen Bochum, Gladbach und Frankfurt – aber auch am Willen, irgendeinen Pass über die Linie zu stochern. Und Ruud van Nistelrooy gelingen keine Wunder mehr. „Wir machen in der Bundesliga einfach zu wenig“, sagte Piotr Trochowski.

Mainz hatte nach Aristide Bancés Führung richtig Spaß am Spiel, agierte defensiv geschickt und verschaffte sich durch einige Konter über den starken André Schürrle immer wieder Pausen zum Verschnaufen. Anzumerken ist noch, dass es für den FSV um nichts mehr ging. Außer, einen neuen Vereins-Punkterekord für die Bundesliga aufzustellen. Kann ja auch eine Motivation sein. Frank Heike

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben