Sport : Ein Traum auf zwei Rädern

Der Lausitzring soll 2012 den deutschen Lauf zur Motorrad-WM austragen

von und
Zweiradtauglich. Die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (o.) fand schon in Klettwitz statt. Foto: p-a/ASA
Zweiradtauglich. Die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (o.) fand schon in Klettwitz statt. Foto: p-a/ASAFoto: picture-alliance / ASA

Auf dem Lausitzring wird wieder einmal vom ganz großen Motorsport geträumt. Doch diesmal könnte der Traum Wirklichkeit werden. Die Motorrad-WM soll im nächsten Sommer erstmals auf der Rennstrecke 130 Kilometer südlich von Berlin Station machen. Weil der Sachsenring das Rennen künftig nicht mehr austragen kann, hat der ADAC München, der die Rechte am deutschen Grand Prix hält, beim Lausitzring angefragt. „Wir freuen uns sehr über die Anfrage von offizieller Seite“, sagte die Sprecherin des Lausitzrings, Carolin Schneider, „aber wir haben um Bedenkzeit bis Anfang nächster Woche gebeten, um alle wirtschaftlichen Fragen rund um dieses Event zu klären.“

Man wolle „in den nächsten Wochen definitiv eine Entscheidung bekanntgeben“, erklärte Lars Soutschka, Sprecher des ADAC in München. Er bestätigte Gespräche mit mehreren Streckenbetreibern. Als Alternativstandort kommen neben dem Lausitzring nur der Nürburgring und der Hockenheimring in Frage. Sie erfüllen als permanente Rennstrecken die Bedingungen in puncto Sicherheit und Infrastruktur. Nürburgring-Geschäftsführer Karl-Josef Schmidt erklärte sein „prinzipielles Interesse“ am WM-Lauf, er habe aber bisher keine Anfrage vom ADAC erhalten. Der Lauf soll am 8. Juli stattfinden – wenn sich kein deutscher Kurs findet, soll er in ein anderes Land vergeben werden.

Während rund um den Lausitzring seit zwei Tagen heftig über die mögliche WM diskutiert wird, herrscht auf dem Sachsenring eine sehr gedrückte Stimmung. 14 Jahre lang war die Motorrad-WM ein riesiges Volksfest, zum vorerst letzten Grand Prix im Juli waren wieder 230 000 Fans nach Hohenstein-Ernstthal gepilgert. „Aus wirtschaftlicher Sicht können wir den Grand Prix auf dem Sachsenring leider nicht weiter verantworten“, sagte Klaus Klötzner vom ADAC Sachsen. In den vergangenen beiden Jahren habe das Rennen Verluste von jeweils etwa 600 000 Euro erbracht. Für 2012 habe man sogar ein Defizit von rund 850 000 Euro errechnet. Noch allerdings besteht Hoffnung für die Strecke. Kommunalpolitiker und das Sachsenring-Management kritisierten in einer gemeinsamen Erklärung die Absage des Rennens durch den ADAC Sachsen. Der Grand Prix sei ein „Image-Magnet und Wirtschaftsfaktor für ganz Sachsen“, hieß es. Um das Rennen zu erhalten, wurde eine Unterstützung mit Steuergeldern angedeutet, dazu müsse jedoch der ADAC erst seine Bücher öffnen.

Klar ist bisher nur, dass der spanische WM-Vermarkter Dorna ab 2012 statt bisher zwei nun 3,6 Millionen Euro an Lizenzgebühren verlangt. Diese Summe müsste der Lausitzring durch Eintritts- und Sponsorengelder zwar auch aufbringen, könnte sich aber andere Ausgaben sparen. So mussten beim Sachsenring, der keine permanente Rennstrecke ist, Tribünen und die Stromversorgung aufgebaut werden. Der Motorrad-Weltverband Fim verlangte zudem eine kostspielige Verbreiterung des Kiesbettes am Ende der Start- und Zielgeraden. Der vor elf Jahren eröffnete Lausitzring hat dagegen gute Chancen, das Okay der Fim zu erhalten. Auf der Strecke fanden mit der Internationalen Deutschen Meisterschaft und der Superbike-WM bereits Motorradrennen statt. „Wir prüfen, ob noch Umbaumaßnahmen notwendig sind“, sagte Schneider.

Der Motorrad-WM-Lauf wäre seit dem Gastspiel der US-Cart-Serie 2004 die erste Veranstaltung der höchsten internationalen Kategorie auf dem seit kurzem auch wieder offiziell so benannten Lausitzring. Viel zu hoch hatte die Brandenburger Landesregierung einst die Erwartungen an den mit Landesmitteln gebauten Ring geschraubt, als von „tausenden Arbeitsplätzen“ und einem „sofortigen Aufstieg in die Formel 1“ die Rede gewesen war. Nun ist zumindest die Motorrad-WM in Reichweite. Sigurd Heinze, Landrat im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, sagte: „Ein Grand Prix auf dem Lausitzring wäre ein Lottogewinn für die Region.“

Autor

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben