Sport : Ein Traum stirbt plötzlich

Russland scheitert bei der Eishockey-WM – Finnland spielt heute im Finale gegen Kanada

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Moskau - Die Körperhaltung der russischen Spieler sprach eine eindeutige Sprache, als nach dem ersten Halbfinalspiel der Eishockey-Weltmeisterschaft in der Chodinka-Arena zu Moskau die Ehrungen für die besten Profis vorgenommen wurden. Einige der Spieler des WM-Gastgeberlandes knieten auf dem Eis, hatten die Köpfe gesenkt: Seit gestern ist amtlich, dass die Russen weiter auf ihren ersten WM-Triumph seit 1993 warten müssen: Knapp sechs Minuten waren in der Verlängerung gespielt, da entschied Mikko Koivu mit seinem Tor zum 2:1 für die Finnen eine spannende Partie. Finnland steht nach dem 2:1(1:1, 0:0, 0:0/1:0)-Erfolg nun im heutigen WM-Finale gegen Kanada. Die Nordamerikaner bezwangen gestern im zweiten Halbfinalspiel den chancenlosen Weltmeister Schweden 4:1 (3:0, 1:1, 0:0).

Für die Russen war das plötzliche Ende aller Träume besonders bitter: Bis zu 450 Euro hatten die 13 000 Zuschauer in der Arena für eine Eintrittskarte zahlen müssen – offiziell, auf dem Schwarzmarkt kosteten die Tickets bis zu 4500 Euro. „Ich entschuldige mich bei den Fans“, sagte Nationaltrainer Wjatscheslaw Bykow. „Ich hoffe, sie verkraften das und glauben immer noch an dieses Team. Unsere Spieler haben alles gegeben und müssen sich nun auf das nächste Spiel konzentrieren.“

Das nächste Spiel ist für die Russen die Partie um Platz drei, heute Nachmittag gegen Schweden. Finnland kann dagegen zum zweiten Mal nach 1995 Weltmeister werden. Mikko Koivu war gestern der Matchwinner für den Außenseiter, als er den Puck am herauseilenden Torhüter Alexander Jeremenko vorbeispitzelte. Jungstar Jewgeni Malkin hatte die Russen in der 9. Spielminute in Führung gebracht, Jukka Hentunen gelang vier Minuten später der Ausgleich. Erst am Donnerstag hatten sich die Finnen 5:4 nach Penaltyschießen gegen die USA durchgesetzt. Vom Kräfteverschleiß war jedoch nichts zu merken, nach unruhiger Anfangsphase waren die Finnen den Russen ein gleichwertiger Gegner.

Für die Russen kam die Niederlage reichlich unerwartet, bei den Buchmachern waren sie im Vorfeld klarer Favorit. Zumal alles für sie sprach: Sieben Siege in sieben Turnierspielen hatten die Russen vor dem Halbfinalspiel hinter sich. Das aber hatte die Finnen nicht erschreckt. „Die Russen haben ja dauernd erzählt, dass sie hier Weltmeister werden“, sagte Finnlands Stürmer Tomi Kallio. „Das hat uns erst so richtig motiviert, sie zu schlagen.“ Trotz der gestrigen Überraschung treten die Nordeuropäer heute im Finale (20.15 Uhr im DSF) wieder als Außenseiter an. Dazu war der gestrige Auftritt von Rekordweltmeister Kanada gegen Schweden zu souverän, bereits nach 19 Spielminuten führten die Kanadier 3:0. Aber die Rolle des Außenseiters muss ja kein Nachteil sein, und: 1995 wurde Mikko Koivus älterer Bruder Saku zum besten Stürmer des Turniers gewählt – und wurde mit Finnland Weltmeister. Sein Bruder kann es ihm heute nachmachen.Tsp/dpa

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