Sport : Ein Traumjob nur in der Phantasie

ERNST PODESWA

Die Vorstellung, Trainer im Frauen-Tennis zu sein, reizt nur wenige BetreuerVON ERNST PODESWA Berlin.Mit Mary Pierce oder Jana Kandarr durch die bunte Glitzerwelt des Profitennis zu ziehen, das dürfte ein Traumjob für Millionen männlicher Tennisfans in aller Welt sein."Trainer im Frauentennis - nein danke", meint indes Markus Zoecke.Der junge Mann, einst Daviscupspieler für Deutschland und unter den Top 50 der Welt, muß derzeit wegen langwieriger Verletzungen an das Ende seiner Karriere denken."Der Job als Coach im Frauentennis reizt mich nicht, weil ich Männertennis einfach athletischer, dynamischer und spannender finde; mich würde es sportlich nicht ausfüllen, den Mädchen oder Frauen die Bälle im Training zuzuspielen." Der Mann vom LTTC Rot-Weiß Berlin betont nachdrücklich, daß er Frauentennis keineswegs abwerten möchte, aber es sei doch kein Zufall, daß bis auf den Schweizer Heinz Günthardt, Betreuer der Ausnahmetennisgröße Steffi Graf, kaum jemand von früheren männlichen Profiakteuren Frauen coachen würden: "Die gehen doch als Trainer lieber auch zu den Männern." Eine ähnliche Haltung hatte einst auch Michael Robertson.Rund zehn Jahre war der Südafrikaner im ATP-Profizirkus der Männer dabei.Im Einzel erreichte der jetzt 33jährige als Höchstes die Position Nummer 101, im Doppel den 51.Rang."Ich habe damals auch viel Mixed-Wettbewerbe bestritten, war einmal in Wimbledon und da sogar im Halbfinale.Ich hatte also gewisse Erfahrungen und Kenntnisse", sagte er.Er bestätigte aber auch aus dieser Zeit ähnliche Vorbehalte gegen die filzballschlagenden weiblichen Kollegen wie Markus Zoecke bei sich festgestellt zu haben. Heute jedoch sagt der seit einiger Zeit in München lebende und gut Deutsch parlierende Robertson: "Ich habe mittlerweile eine ganz andere Einstellung zum Frauentennis bekommen, respektiere deren sportliche Anstrengungen und Leistungen.Und ich habe gelernt, daß man Männer- und Frauen-Tennis ebensowenig vergleichen kann wie Äpfel mit Birnen." Schuld an dem Sinneswandel ist seine eineinhalb Jahre währende Tätigkeit als Coach der 20jährigen Jana Kandarr: "Als ich vor rund drei Jahren meine Aktivenzeit beendete, dachte ich vor allem, um Gottes willen keinen Job, bei dem ich mehr als absolut dringend notwendig fliegen müßte." Doch dann kam das Angebot, den Männer-Bundesligisten Halle/Westfalen zu betreuen.Da zeigte sich sein Fingerspitzengefühl in der Betreuung von Sportlern, denn der Aufsteiger sicherte sich unter seiner Regie auf Anhieb den deutschen Mannschaftsmeistertitel. "Danach konnte ich wählen, Trainer von Hendrik Dreekmann, Mary Pierce, die ich auch drei Monate trainiert habe, oder aber von Jana Kandarr zu werden.Es liegt mir fern, etwas Schlechtes über die beiden Ersteren zu sagen - beide sind sympathisch und als Tennisspieler außerordentlich talentiert.Doch für sie wollte ich nicht so etwas wie einen Ballholer abgeben." Also entschied sich der junge Coach nach zweiwöchigem Probetraining - vermittelt durch die weltweit führende Tennisagentur IMG - für die 20jährige vom TC Heidelberg.Er sah bei ihr zwar weniger Talent, aber auch mehr Möglichkeiten der Entwicklung.Zumal er sie als zähe Kämpferin, intelligent und ernsthaft in ihren Bemühungen kennenlernte: "Ich denke, damals die richtige Wahl getroffen zu haben.Die Arbeit macht mir Spaß, die Fortschritte sind sichtbar - ich glaube, wir können beide gemeinsam noch eine ganze Menge erreichen." Besonders stressig sei, immer daran zu denken und immer daran zu arbeiten, ihr Spiel besser zu machen, erfolgreich zu sein und in der Weltrangliste eine Stufe nach der anderen zu nehmen. Robertson hat die vertraglichen Dinge und die finanziellen Modalitäten ("Es ist Prinzip bei IMG, daß der Athlet den Kopf frei hat für seinen Hauptjob auf dem Tenniscourt") alle vom IMG-Management regeln lassen.Für ihn gibt es eine gewisse Festsumme je Monat, einen ganz geringen Prozentsatz Einnahmen aus den Preisgeldern und Erfolgszuschläge, wenn bestimmte Stufen (beispielsweise Top 50 oder Top 20 der Welt) erreicht worden sind. Bliebe noch zu klären, warum so wenig frühere Profispielerinnen ihren Nachfolgerinnen Hilfestellung leisten.Hanna Mandlikova tut das bei der Tschechin Jana Novotna (beide sind auch privat liiert). Doch weitere Beispiele sind ausgesprochen selten.Petra Kruger aus Südafrika ist ein zweites Beispiel, denn sie coacht ihre Tochter Joanette (1996 Nummer 27 der Welt) seit deren siebentem Lebensjahr: "Es sollte viel mehr Frauen als Trainerinnen im Tennis geben, denn Frauen können sich viel besser in die Gedanken und Gefühlswelt ihrer Schützlinge reindenken.Doch die meisten Spielerinnen bevorzugen Männer, weil sie hoffen, mit denen, die im Training härter spielen können, schneller nach oben zu gelangen.

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