Sport : Ein Turnier gegen die Krise

Bei der heute beginnenden Copa America sucht Argentinien den Weg aus der sportlichen Depression

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Mann mit Mütze. Lionel Messi soll Argentinien zum ersten Gewinn der Copa America seit achtzehn Jahren führen. Foto: dpa
Mann mit Mütze. Lionel Messi soll Argentinien zum ersten Gewinn der Copa America seit achtzehn Jahren führen. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Es ist schon lange her, dass Argentiniens Fußball international solch eine Beachtung widerfuhr. Die Bilder vom vergangenen Wochenende aber gingen um die Welt. Ein aufgebrachter Mob war da zu sehen, der randalierend durch die Straßen der Hauptstadt Buenos Aires zog, und Polizisten, die nur schwerlich der Lage Herr wurden. Der erstmalige Abstieg des Traditionsklubs River Plate und die anschließenden Ausschreitungen sorgten tagelang für negative Schlagzeilen und ließen die Nation in einem schlechten Licht erscheinen.

Die Meldungen von Gewalt, Korruption und Unfähigkeit im Fußball kommen für Argentinien zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt und so ist das Land mehr denn je auf eine erfolgreiche Copa America angewiesen. Das älteste Fußballturnier des Sommers beginnt in der Nacht zum Sonnabend mit dem Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Argentinien und Bolivien. In Deutschland sind alle Spiele bei dem Pay-TV-Sender Sport 1 plus und einige ausgewählte Begegnungen im frei empfangbaren Fernsehen bei Sport 1 zu sehen. Das erste ist Kolumbien mit Herthas Adrian Ramos gegen Costa Rica am Sonnabend (20.25 Uhr).

Für viele Argentinier würde ein Sieg bei der Copa America den Weg aus der großen Depression weisen, die den einheimischen Fußball schon seit einigen Jahren befallen hat. Das Turnier ist in Südamerika von großem Prestige und die Liste der bekannten Spieler lang. Aus der Bundesliga werden unter anderem Paolo Guerrero (Peru), Lucas Barrios (Paraguay), Arturo Vidal (Chile) oder Herthas Adrian Ramos (Kolumbien) teilnehmen. Argentiniens letzter Sieg der Nationalmannschaft bei der Kontinentalmeisterschaft liegt inzwischen schon achtzehn Jahre zurück. Noch schwerer als die anhaltende Erfolglosigkeit wiegt für die meisten Anhänger, dass man bei den letzten zwei Ausgaben der Copa im Finale jeweils dem Erzrivalen Brasilien unterlag. Beide Mannschaften sind in diesem Jahr erneut die großen Favoriten, ein Finale zwischen Argentinien und Brasilien am 24. Juli gilt als Wunschpaarung der Veranstalter. Gespielt werden soll dann im Estadio Monumental, dem Stadion von River Plate, das bei den jüngsten Ausschreitungen beschädigt wurde, aber bis dahin wieder repariert sein soll. Insgesamt werden die Spiele in acht verschiedenen Städten ausgetragen, darunter auch kleinere wie Jujuy, Salta oder San Juan.

Den verblassenden Ruhm von River Plate wird die Copa America nicht retten können. Vom Rekordmeister wurde einzig Ersatztorwart Juan Carrizo durch Trainer Sergio Batista in den Kader von Argentiniens Auswahl berufen. Carrizo, der eigentlich Lazio Rom gehört und nur leihweise für River Plate spielt, ist der Einzige aus dem 23 Mann umfassenden Kader, der zuletzt in der argentinischen Liga auflief. Alle anderen spielen in Europa, viele davon bei den Topteams in England, Spanien oder Italien. Als Argentinien 1987 zum bisher letzten Mal die Copa America ausrichtete, belief sich die Zahl der Legionäre lediglich auf drei. Inzwischen haben sich die Zeiten geändert und die anhaltende Erfolglosigkeit der Nationalmannschaft hat dazu geführt, dass einige Fans den Spielern mangelnde Identifikation mit ihrer Heimat vorhalten – vor allem Lionel Messi, dem aktuellen Weltfußballer. Im Alter von dreizehn Jahren verließ Messi Argentinien Richtung Spanien und glänzt seitdem regelmäßig im Trikot des FC Barcelona. Im Nationalteam aber wirkt der kleine Angreifer meistens gehemmt, seinem Spiel fehlt dann oft die Bindung zu den Mitspielern. Das wurde vor allem beim WM-Viertelfinalaus der Argentinier gegen Deutschland vor einem Jahr deutlich.

Damals betreute noch Diego Maradona die Nationalmannschaft als Trainer, nach dem Ausscheiden übernahm Sergio Batista den Posten. Unter Batista gewann Argentinien mit Messi 2008 das olympische Fußballturnier, nun soll der erste Erfolg bei der Copa America unter ihm folgen. „Wir wollen unbedingt das Turnier gewinnen“, sagt Batista. Der 48-Jährige hat im Vergleich zur vergangenen Weltmeisterschaft die Hälfte des Kaders ausgetauscht und ist gerade dabei, eine Mannschaft mit Hinblick auf die WM in drei Jahren in Brasilien aufzubauen. Spätestens dann will Argentinien im Fußball wieder positiv in Erscheinung treten.

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