Sport : Ein Unentschieden als Niederlage

Nach dem 3:3 gegen Italien hat das deutsche Eishockey-Team kaum noch Chancen auf das Viertelfinale

Christiane Mitatselis[Turin]

Stefan Ustorf, Kapitän der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft, sprach den Satz des Tages: „Dieses Unentschieden“, sagte der Berliner nach dem 3:3 gegen Italien (0:1: 1:0, 2:2) in der Vorrunde des olympischen Turniers, „ist wie eine Niederlage für uns.“ Geknickt sah er aus, verständlicherweise: Ihr Ziel, den Einzug ins Viertelfinale, kann die Mannschaft von Bundestrainer Uwe Krupp kaum noch erreichen. „Da gibt es nichts schönzureden“, sagte Angreifer Tomas Martinec. „Das war heute gar nichts.“ Es war ein trauriger Auftritt der deutschen Mannschaft, einer, der Erinnerungen an die WM 2005 aufkommen ließ, bei der die Deutschen abstiegen.

Im Spiel gegen den Außenseiter des Turniers zeigten Krupps Profis ein großes Repertoire von vergebenen Chancen und individuellen Fehlern. Zum Glück fürs deutsche Team gibt es bei Olympia keinen Absteiger. Selbst Krupp, der Optimist, konnte seine Enttäuschung kaum verbergen. Er redete ein bisschen davon, dass sein Team „nach vorn“ schauen und sich auf das nächste Spiel konzentrieren müsse. Am heutigen Sonntag (12 Uhr) schon tritt die deutsche Mannschaft gegen die Schweiz an. „Jetzt wollen wir gewinnen. Wo wir danach stehen, ist zweitrangig“, sagte der 40-jährige.

Mindestens Rang vier in der Sechser-Gruppe müsste die deutsche Mannschaft belegen, um noch in die Playoff-Runde einzuziehen – was nur noch theoretisch möglich ist. Für die italienische Nationalmannschaft, die im vergangenen Jahr bei der B-WM den Aufstieg geschafft hatte, treten bei den Olympischen Spielen in Turin hauptsächlich in die Jahre gekommene Italo-Kanadier an. Der Altersschnitt auf dem Eis liegt deutlich über 30 Jahre. Doch das blaue Trikot und der Schriftzug „Italia“ auf der Brust hatten offenbar belebende Wirkung auf die Eishockey-Profis.

Unterstützt vom Publikum in der mit 8908 Zuschauern sehr gut besuchten Arena „Palasport Olimpico“ gingen sie das Spiel gegen Deutschland sehr engagiert an. Die Italiener zeigten enormen Kampfgeist und waren mit aller Kraft bemüht, vor eigenem Publikum die Sensation zu schaffen. Mit diesem Druck des Gegners kam die deutsche Mannschaft, in der fünf NHL-Profis stehen – nicht klar. Die Deutschen kämpften zwar, aber derzeit scheint es so, als würden sie psychisch mit dem Erwartungsdruck, der auf ihnen lastet, nicht zurechtkommen.

Bezeichnend war der italienische Führungstreffer: Es waren gerade einmal 123 Sekunden gespielt, da verlor NHL-Verteidiger Christoph Schubert den Puck hinter dem Tor. Italiens Angreifer John Parco konnte, da Schuberts Verteidigungspartner Erhoff nicht zur Stelle war, den deutschen NHL-Torhüter Olaf Kölzig ungestört ausspielen – es stand 1:0 für das „Team Italia“. Die Italiener hatten auch danach die besseren Chancen. Allein Torhüter Kölzig verhinderte eine höhere Führung. Erst im zweiten Drittel stabilisierte sich Krupps Team. Und die Deutschen trafen auch. Doch zunächst gab Schiedsrichter Timo Favorin aus Finnland einen Treffer des Kölners Tino Boos nicht, da er bereits abgepfiffen hatte (22.). Doch Tomas Martinec’ Tor nach schöner Vorarbeit von Boos war regelgerecht gefallen (27.).

Trotz des Tores schaffte es das deutsche Team nicht, die Spielkontrolle zu übernehmen. Die Mannschaft kassierte unnötige Strafzeiten, und wäre ohne Kölzigs Paraden schnell wieder in Rückstand geraten. Selbst 74 Sekunden mit einer 5:3-Überzahl verstrichen zu Beginn des letzten Drittels ohne eine gefährliche Torchance. Tony Iob, ehemaliger Profi der Kölner Haie, nutzte dagegen einen weiteren Aussetzer der deutschen Abwehr zum 2:1 für die Italiener. Es wurde hektisch: Sven Felski gelang das 2:2 (48.). In der Schlussphase war Marcel Goc Schütze des erneuten Ausgleichstreffers für Deutschland. Zuvor hatten die deutschen Nationalspieler in eigener Überzahl das 2:3 Christian Borgatello kassiert.

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