• Ein Unentschieden in Ahlen reicht zum Zweitliga-Aufstieg - Auf der Suche nach dem heimlichen Feind

Sport : Ein Unentschieden in Ahlen reicht zum Zweitliga-Aufstieg - Auf der Suche nach dem heimlichen Feind

Claus Vetter

Ehe an der Alten Försterei ein Hauch von Zweiter Liga weht, muss noch einiges passieren. Dessen war sich auch der Union-Kapitän Jörg Schwanke bewusst. "Das war schlecht", gab er zu, "man hat nicht gesehen, dass wir lange zwei Mann mehr waren." Immerhin stimmte aus Sicht des 1. FC das Resultat: 3:1 gegen den SC Pfullendorf. Am Freitag können die Berliner im letzten Spiel der Aufstiegsrunde (zweite Halbzeit live im SFB ab 20 Uhr, zuvor Zusammenfassung der ersten 45 Minuten) den Aufstieg besiegeln, weil ihnen ein Unentschieden bei LR Ahlen genügen würde.

Allein die Frage, wann elf Köpenicker gegen neun Pfullendorfer endlich ihre eklatanten Schwächen in der Offensive überwinden würden, hielt am Dienstag die Spannung hoch. Eine Viertelstunde vor Abpfiff wurde dank Okekes 2:1 aus der Zitterpartie doch noch ein gepflegter Langweiler. Erst danach stieg der Unterhaltungswert beträchtlich. Zunächst einmal durch den Trainer der Gäste aus Pfullendorf, Frank Wormuth. Seiner Meinung nach hätte der Schiedsrichter doch wissen müssen, dass es seine "Burschen" zünftiger und robuster angehen lassen würden. Die herbe Gangart sei im Süden Deutschlands nun einmal üblich, sprach Wormuth allen Ernstes. Gleich zwei Platzverweise für seine Schützlinge, dies sei des Guten zuviel gewesen, der Unparteiische hätte hier und da ein Auge zudrücken müssen, befand er und machte seine Rechnung auf: Wenn man alle ungerechtfertigten Entscheidungen abziehe, "dann hätte das Spiel 1:1 ausgehen müssen".

Heiner Bertram, Präsident des 1. FC Union, hatte zum Zeitpunkt der Zahlenspiele Wormuths längst anderes im Sinn. Die Pflichtaufgabe gegen Pfullendorf gerade so erfüllt, war nun die Zeit gekommen, den DFB kräftig zu kritisieren. Dass dem Spielerpersonal von Union beim entscheidenden Spiel am Freitag die Puste ausgehen könnte, machte Bertram die größten Sorgen "Die Termine sind zu dicht aufeinander, das kann man der Mannschaft nicht zumuten", meinte er. Unions Antrag auf eine Verlegung der Partie von Ahlen auf den Sonnabend war vom DFB abgelehnt worden. Dagegen wiederum hatten die Berliner protestiert. Auch der erneute Einspruch wurde gestern vom DFB abgelehnt. Nun erwäge man eine Einstweilige Verfügung zu erwirken, erklärte Bertram. "Dann entscheiden die Gerichte. Und zwar 24 Stunden vor dem angesetzten Termin."

Die Gefahr, dass die Ahlener am Freitag um 19 Uhr vergebens auf ihren Gegner warten, ist dennoch nicht gegeben. Bereits gestern ist Georgi Wassilew mit seinen Spielern nach Westfalen aufgebrochen. Zuversichtlich sei er nun, meinte der Trainer, auch wenn es um das Nervenkostüm seines Personals gegen Pfullendorf nicht zum Besten bestellt gewesen sei. Aber schließlich lägen die Stärken seiner Mannschaft in der Defensive, und darauf könne man nun in Ahlen angesichts der günstigen Konstellation aufbauen. "Alle wollen es schaffen, da dürfen mentale Probleme nicht im Weg stehen. Ein Unentschieden ist in Ahlen immer drin."

Die Anhängerschaft des 1. FC Union würden dann gerne vor Ort mitfeiern. Noch lange nach Abpfiff balgten sich deshalb vor den Kassenhäuschen um die wenigen Karten für Ahlen. Die Westfalen hatten nur knapp 1000 Tickets zur Verfügung gestellt. Die Begründung dafür lautete: Wegen der in Holland beginnenden EM und der damit verbunden Angst vor Krawallen soll die Glückaufkampfbahn aus Gründen der Sicherheit nicht aus den Nähten platzen. Für Union-Trainer Wassilew ein Unding: "Wir brauchen die Unterstützung durch unsere Fans." Die ungünstige Spielansetzung, das Theater um die wenigen Karten, irgendwie habe sich anscheinend alles gegen Union verschworen, meinte Wassilew und fragte: "Wo ist unser heimlicher Feind?"

Nun, Ahlen versteckte sich nicht, Trainer Jupp Tenhagen saß auf der Tribüne der Alten Försterei. Große Erkenntnisse dürfte der ehemalige Bundesliga-Profi angesichts der mageren Vorstellung der Berliner nicht gewonnen haben. Dies weiß auch Jörg Schwanke: "Es war schon sehr gut, dass der unser Spiel gegen Pfullendorf gesehen hat."Mehr zum 1.FC Union unter www.meinberlin.de/union

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