Sport : „Ein unsauberes Manöver“

Experten kritisieren Vettel und Mercedes.

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Sepang - Der Ärger um die Stallregie bei Red Bull und Mercedes beschäftigte noch lange nach dem Rennen die Experten im Fahrerlager von Sepang. Der frühere Formel-1-Pilot Alexander Wurz wunderte sich dabei weniger über Vettels Überholmanöver als über seinen Funkspruch vorher („Mark ist zu langsam, schafft ihn zur Seite!“): „Das war nicht sehr ruhmreich“, sagte Wurz. „Ich glaube, dass Webber sich da nur seine Reifen eingeteilt hat.“ Beim Überholmanöver später „hätte ich an Vettels Stelle möglicherweise nichts anderes gemacht. Man muss immer alles geben“. Allerdings sei es auch nicht seine Art, erst eine Absprache zu akzeptieren und den Teamkollegen dann zu überrumpeln. „Letztlich ist es eine Sache des Team-Managements – man muss es klären oder mit den Konsequenzen leben.“

Die Ansage bei Mercedes war laut Wurz dagegen „unnötig und ein absoluter Fehler des Teams“ gewesen: „Entweder hat Hamilton mehr Sprit verbraucht oder das Team hat es falsch berechnet. Da muss man auch mit den Konsequenzen leben, eigentlich hätte Rosberg am Ende mit einer Hand vorbeifahren können.“ Wenn es, wie Mercedes behauptet, keine Nummer eins und zwei im Team gebe, „finde ich es nicht in Ordnung, dass der Fahrer, der sich das Rennen bis zur Zielflagge einteilt und clever ist, bestraft wird“. Für ihn ist die Stallregie aber nicht nur das Problem der Teams, sondern der ganzen Formel 1: „Man trifft mitten in die Emotionen der Zuschauer. Nicht nur in die Herzen der Fans von Hamilton oder Rosberg, sondern in die der Fans des Sports.“

Christian Danner stimmte ihm zu. „Mercedes hätte Rosberg fahren lassen sollen, er war im ganzen Rennen schneller“, sagte der frühere Formel-1-Pilot und jetzige Fernsehkommentator. „Dass sie Hamilton zu wenig Sprit einfüllen, ist Pech.“ Niki Lauda werde Ross Brawn jetzt sicher fragen: Was machst du da eigentlich? „Und Ross wird ihm eine Erklärung geben müssen. Für mich gibt es keine. Eine Stallorder am Anfang der Saison, bei zwei Piloten, wo alles noch offen ist, finde ich fehl am Platz.“

Kritisch betrachtet Danner die Aktion von Sebastian Vettel. „Das war zumindest unsauber.“ Vettel habe sich nicht an den ausgemachten Nichtangriffspakt gehalten. „Das ist bitter für den Teamfrieden.“ Und es passe auch nicht zur Selbstdarstellung von Vettel, „der ja immer auf ganz lieb macht, aber er ist nicht lieb“. Das müsse er auch nicht sein, „aber leichter wird es für Sebastian dadurch nicht. Webber wird beim nächsten Mal gnadenlose dagegenhalten, da braucht sich niemand wundern. Da ist jetzt richtig Dampf im Kessel.“ Karin Sturm

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