Sport : Ein Urteil für die Fans

Stefan Hermanns

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Ausdruck „salomonisches Urteil“ in der Regel in einem Sinne benutzt, der nicht seiner eigentlichen Bedeutung entspricht. Salomonisch ist ein Urteil nicht dann, wenn es alle Parteien zufrieden stellt; salomonisch ist es, wenn es der Gerechtigkeit zu ihrem Recht verhilft. Die Entscheidung im Fall Asamoah ist daher wohl nur in der volkstümlichen Deutung als salomonisch zu bezeichnen.

Man könnte auch sagen, dass beide Seiten ihr Gesicht gewahrt haben: Asamoah wurde bestraft, weil er bestraft werden musste. Aber er wurde gleich wieder rehabilitiert, weil sich der Verein die Beweise gegen Asamoah auf unredliche Weise beschafft hatte – durch die Hilfe eines petzenden Kollegen, der aus einem vertraulichen Gespräch zitiert hatte.

Asamoah ist auch deshalb mit Gnade davongekommen, weil alles andere den Schalker Fans nur schwer zu vermitteln gewesen wäre. Für die zuletzt murrenden Anhänger sind die Umgangsformen innerhalb der Mannschaft schwerer zu ertragen als Asamoahs angebliche Drohung gegen Trainer Slomka. Der Hang zur Denunziation bestätigt sie nämlich in ihrer Skepsis gegen die aktuelle Mannschaft: einen wild zusammengekauften Haufen, der nur zufällig das Schalker Wappen auf der Brust trägt. Gerald Asamoah besitzt einen unschätzbaren Bonus. Er ist länger bei Schalke als jeder andere Spieler.

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