Sport : Ein Urteil gilt als „Katastrophe“

Dopingbelasteter Reiter Alves darf doch starten

Lausanne/Hannover - Im Kampf gegen Doping hat der Welt-Reitverband FEI erneut eine schwere Schlappe erlitten. Trotz der positiven Probe bei seinem Olympia-Pferd darf der brasilianische Springreiter Bernardo Alves von sofort an wieder reiten. Das Sportgericht (Tribunal) der FEI erklärte die bei den Olympischen Spielen in Hongkong verhängte Suspendierung für nichtig und erteilte eine vorläufige Startgenehmigung. „Das ist eine Katastrophe“, sagte der deutsche Verbandschef Breido Graf zu Rantzau. „Das ist peinlich für die FEI ausgefallen“, sagte Alves-Anwalt Ulf Walz.

Das Sportgericht kippte das neue, erst seit wenigen Monaten geltende Regelwerk der FEI, wonach es bei positiven Proben bei Olympischen Spielen automatisch ein vorläufiges Startverbot gibt. Alves darf bis zum Urteil am 30. September wieder bei Turnieren starten und will dies bereits am Wochenende in Arezzo tun.

Nun darf auch der deutsche Springreiter Christian Ahlmann (Marl) hoffen, trotz des Capsaicin-Fundes und der Suspendierung von Hongkong bald wieder reiten zu dürfen. „Wir werden das am Montag prüfen, wenn wir die schriftlichen Unterlagen haben“, sagte Ahlmanns deutscher Anwalt Andreas Kleefisch. „Das ist wie ein Schuss ins eigene Knie“, sagte dagegen der deutsche Verbandschef. „Wenn die eigenen Gremien dagegen kämpfen, kann einem dies das letzte Vertrauen nehmen“, sagte Rantzau und sprach von einer „starken Beschädigung“ des Welt-Verbandes. Zugleich kündigte er im Fall Ahlmann für den deutschen Verband (FN) an: „Da werden wir klare Kante fahren.“

Bei dem Iren Denis Lynch, der am Samstag seine Anhörung vor dem Tribunal hatte, gab es noch keine Aufhebung der Suspendierung. „Da haben sie gesagt, dass sie noch Zeit brauchen“, sagte Walz, der die Verteidigung der fünf Springreiter koordiniert, die in Hongkong positive Proben hatten. Die FEI wollte das Urteil am Sonntag nicht kommentieren, bestätigte aber einen Protest des Generalsekretärs Alex McLin gegen die Entscheidung.

Bereits mehrfach hatte die FEI in der Vergangenheit bei Doping- oder Medikationsfällen Niederlagen erlitten. Bei Alves’ Pferd Chupa Chup war die Substanz Capsaicin gefunden worden, genauso wie bei Christian Ahlmanns Cöster, bei Denis Lynchs Lantinus und Tony Andre Hansens (Norwegen) Camiro. Darüber hinaus wurde bei Rodrigo Pessoas Rufus der Wirkstoff Nonivamid festgestellt.

Ahlmanns Anhörung vor dem FEI-Tribunal ist am 26. September. „Wenn sie bei Alves so entscheiden, kann es keinen Grund geben, dass sie es bei Ahlmann nicht so tun“, sagte Walz. Der Schweizer Anwalt erklärte zudem, dass nach der ersten der fünf Anhörungen klar sei, dass es sich nicht um Doping, sondern nur um verbotene Medikation handele. Diese Unterscheidung ist eine Besonderheit des Reitsports. dpa

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