Sport : EIN VERBAND FÄHRT SCHWERE GESCHÜTZE AUF: Abmahnung an zwei Eislauf-Toptrainer

ERNST PODESWA

BERLIN .Als die Trainer Stephan Gneupel und Joachim Franke bei den Einzelstrecken-Weltmeisterschaften der Eisschnelläufer in Heerenveen sich umarmten und auf die Schultern klopften, da dürften zwei Vorgesetzte mit gemischten Gefühlen zugeschaut haben.Die Schützlinge der beiden Erfolgstrainer hatten zweimal Gold und viermal Silber erlauben.Die siebente Medaille für die Deutsche Eisschnellauf Gemeinschaft (DESG) steuerte der Chemnitzer Frank Dittrich (Trainer Klaus Ebert) über 10 000 m bei.

Der Erfurter Gneupel ist durch die Triumphe von Gunda Niemann-Stirnemann bis Franziska Schenk der erfolgreichste Eisbetreuer im zurückliegenden Jahrzehnt.Und der zehn Jahre ältere Berliner Franke (57) gilt dank der Olympiasiege von Uwe-Jens Mey, André Hoffmann, Olaf Zinke und Claudia Pechstein und vieler Medaillengewinne als der Eis-Erfolgsschmied schlechthin.

Dem Duo Gneupel/Franke, dem seit der Wende die DESG die höchste Förderstufe und entsprechende BMI-Finanzmittel verdankt, sowie dem Inzeller Markus Eicher hatte das DSG-Präsidium Mitte Dezember eine Abmahnung geschickt.Auslöser war ein Vorfall im Oktober während eines Trainingslagers in Inzell.Gneupel und Franke hattenden Bitten ihrer Sportler entsprochen und waren wegen der schlechten Wetterbedingungen (Regen, Kälte) und einiger Erkältungen der Aktiven vorzeitig abgereist.DESG-Sportdirektor Günter Schumacher (München) wirft Franke vor, eigenmächtig gehandelt und sich bei Cheftrainer Kraus nicht ordnungsgemäß abgemeldet zu haben.DazuFranke: "Das ist falsch.Ich habe vor Zeugen den Cheftrainer informiert.Der hatte keine Einwände und meinte, das kriegen wir schon hin.Außerdem haben sich die Sportler für die Abreise nach Berlin entschieden.Eine ganz legitime Sache, denn der Verbands-Ehrenkodex besagt ausdrücklich, der mündige Athlet hat in jedem Falle freie Hand, seine Interessen über Verbandswünsche zu stellen."

Falsch ist nach Aussage Frankes auch die Behauptung Schumachers, durch die Undiszipliniertheiten der Trainer seien der DESG Unkosten in höhe von mehreren tausend Mark entstanden: "Der Chiemgauer Hof gewährt und einen Freundschaftspreis und bekommt nur 15 Mark pro Übernachtung." A"

Dennoch erstattete der Cheftrainer schriftlich einen Bericht an den Vorstand.Das war die Grundlage eines Beschlusses vom 23.Oktober über die Abmahnungen.Die ging dann bei Franke Mitte Dezember in Berlin ein.Franke: "Ich war wie vom Donner gerührt und dachte, das kann doch nicht wahr sein.Wir waren Im November nochmals in Inzell.Da gab es kein Wort der Information von einer Abmahnung." Franke machte seinen Job zuverlässig und erfolgreich weiter und bat beim Weltcupfinale im März in Inzell um ein klärendes Wort.DESG-Präsident Gerd Zimmermann (Inzell) hatte aber keine Zeit.Jetzt nach dem letzten WM-Rennen in Heerenveen platzte dem Berliner der Kragen und er sagte einer Presseagentur gegenüber: "Und wir Trainer müssen uns behandeln lassen wie dumme Jungen.Das können wir uns nicht gefallen lassen."

Das Problem hinter dem jüngsten Eklat heißt Helmut Kraus.Schon 1995 fühlte sich der Mann, der nie einen Eisläufer von Weltklasse geformt hatte, als Bundestrainer überfordert.Er erklärte offiziell seinen Rücktritt, um wenig später "auf Bitte des Präsidiums" weiterzumachen und zum Cheftrainer aufzusteigen.Er ist eine DESG-Altlast und als einziger festangestellter Trainer nicht kündbar.Davon läßt sich Franke nicht beeindrucken.Er hat seinen Anwalt beauftragt, gegen die Abmahnung vorzugehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben