Sport : Ein Verein in Selbstabwicklung

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Stefan Hermanns über die Probleme des 1. FC Kaiserslautern

Jürgen Röber, der frühere Trainer von Hertha BSC, sagt zu den Spekulationen, dass er bald beim 1. FC Kaiserslautern arbeiten werde: „Es hat keine offizielle Anfrage gegeben.“ Vielleicht ist das nicht einmal gelogen, obwohl Röber in Kaiserslautern als Wunschkandidat für den Trainerposten gilt. Beim FCK ist nämlich im Moment nicht so ganz klar, wer überhaupt in der Lage wäre, offizielle Anfragen zu stellen.

Der Vorstandsvorsitzende? Ist gestern zurückgetreten. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates? Hat sich gerade erst zum einfachen Mitglied degradiert. Dessen Nachfolger? Wird vermutlich spätestens in zwei Monaten von der Opposition aus dem Amt getrieben. Und der designierte Vorstandsvorsitzende René C. Jäggi? Behauptet, die Frondeure wollten auch ihn in Schimpf und Schande vom Betzenberg jagen.

Es sind keine guten Tage für den einst so stolzen 1. FC Kaiserslautern, und wer als Trainer noch gewisse Ambitionen hegt, wird sich überlegen, ob die Not wirklich so groß ist, dass man gleich den erstbesten Job annehmen muss. Christoph Daum zum Beispiel hat sein Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem FCK bereits öffentlich zurückgezogen. Und die n, die nun neben Röber und Frank Pagelsdorf in der Diskussion sind, zeugen schon von einer gewissen Verzweiflung: Hans-Peter Briegel wird genannt, Friedel Rausch, selbst von Karl-Heinz Feldkamp war die Rede. Dass es sich dabei allesamt um frühere Lauterer handelt, ist vermutlich kein Zufall. In dieser schweren Krise muss man schon eine gewisse Affinität zum FCK haben, um sich ein Engagement für den Verein vorstellen zu können.

Die Entlassung Brehmes und der Rücktritt Friedrichs sind ja erst der Beginn. Auch der Rest des Vorstands hat spätestens seit gestern keine Zukunft mehr. Als letzte Aufgabe bleibt nur noch die ehrenvolle Selbstabwicklung. Die Oppositionsgruppe „Unser FCK“ will alles und vor allem keine Kompromisse mehr. Natürlich sagen deren Anhänger, es gehe ihnen allein um das Wohl des Vereins. Aber ein bisschen geht es auch um persönliche Eitelkeiten. Olaf Marschall, den die Opposition zum Sportdirektor machen will, wurde einst von Brehme als Spieler abserviert. Die Zeit der Rache ist gekommen.

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