Sport : Ein Verein will Inspiration

Bruno Labbadia muss in Stuttgart gehen, weil seine destruktive Art der Aufbruchstimmung im Wege steht.

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Fleißig, aber ideenlos. Bruno Labbadias größte Antriebskraft schien die Furcht vor dem Versagen zu sein. Foto: dpa Foto: dpa
Fleißig, aber ideenlos. Bruno Labbadias größte Antriebskraft schien die Furcht vor dem Versagen zu sein. Foto: dpaFoto: dpa

Am Montag um 15 Uhr saß der Neue auf dem Podium, wie seine Assistenten Alfons Higl und Tomislav Maric ausgestattet mit einem Zweijahresvertrag bis 2015. Stuttgarts neuer Cheftrainer Thomas Schneider lächelte. So hatte man seinen Vorgänger Bruno Labbadia lange nicht mehr gesehen. Als der gegen elf Uhr vom Vereinsgelände fuhr, nachdem er sich von Mannschaft und Mitarbeitern verabschiedet hatte, fuhr ein Fußballlehrer nach zweieinhalb Jahren Amtszeit vom Hof, der nicht mehr zu einem Verein, dessen Selbstverständnis und Zielen passte.

Nicht zur Aufbruchstimmung, die man in Stuttgart spürt, seitdem Bernd Wahler im Juli zum neuen Präsidenten gewählt wurde. Wahler sprach von Leidenschaft und Emotion, von jungen Spielern und Angriffsfußball. Dem hatte sich Labbadia verschlossen, zuletzt spielte der VfB ähnlich zaudernd und zögernd, wie sich sein Trainer in der Öffentlichkeit präsentierte. „Die Aufbruchstimmung ist verloren gegangen“, sagte Manager Fredi Bobic.

Über den Ruf, ein fleißiger Typ zu sein, kam Labbadia nicht hinaus. Bald nahm man beim 47-Jährigen schwindende Freude am Job wahr und fühlte sich durch destruktive Statements vor den Kopf gestoßen. Lob für Labbadia erschöpfte sich in der Einschätzung, er sei der Erste am Morgen und der Letzte am Abend. Von Inspiration war ebensowenig die Rede wie von einer ansteckenden Idee, die er eingebracht habe. In den Vordergrund trat der Eindruck, da arbeitete ein Trainer, der stets fürchtete, am Ende der Schuldige zu sein. Ähnliches wurde zuvor von Labbadias früheren Stationen in Hamburg und Leverkusen berichtet.

Schneider ist anders als Labbadia. Labbadia war Stürmer und hat als Trainer einiges hinter sich. Schneider war Verteidiger und betreute zuletzt die U 17 des VfB, mit der er im Juni gegen Hertha BSC die deutsche Meisterschaft gewann. Schneider fiel zuletzt durch ein Zitat auf, das zeigte, er könnte der Mann sein, der in Stuttgart die Rückkehr zur „Marke der jungen Wilden“ anschiebt. Timo Werner werde einige Tore in der Bundesliga schießen, sagte Schneider. Werner ist 17 und gehört zu den großen VfB-Talenten.

Für Schneider spricht zudem, dass er zu einer Generation junger Trainer gehört, die es aus dem Nachwuchs nach oben schafften. Weil Klubs erkannt haben, dass sich mit systematischer Ausbildungsarbeit Erfolge im Profibereich erzielen lassen. Schneider absolvierte seinen Trainerschein mit Hoffenheims Markus Gisdol, Nürnbergs Michael Wiesinger und dem Augsburger Markus Weinzierl.

Bruno Labbadia gehört nicht zu dieser Fraktion der Eigengewächse. Nicht nur deshalb wuchs die Distanz zu Fans und Verein – und am Ende zur Mannschaft. Als Labbadia seine Wutrede im Oktober 2012 hielt („Trainer sind nicht die Mülleimer der Leute“), wurde ihm das als Ausrede ausgelegt, ebenso wenig verzieh man ihm sein Zögern vor der Vertragsverlängerung am Jahresanfang bis 2015. Seit einiger Zeit sei der Eindruck gewachsen, „die Mannschaft wird nicht mehr erreicht“, berichtete Bobic. Als nun selbst Neueinkäufe die Ansprachen des Trainers als wenig motivierend empfanden, schrillten in der Führungsetage die Alarmglocken. Am Sonntag in Augsburg präsentierte sich der VfB als lebloses Team, das nicht den Eindruck machte, als hätten sich Spieler und Trainer noch viel zu sagen. „Das wäre nicht mehr zu kitten gewesen“, sagte Bobic. „Der Mannschaft kam die Spielfreude abhanden.“

Der ehemalige VfB-Profi Thomas Schneider wird am Dienstag sein erstes Training leiten und sitzt am Donnerstag im Rückspiel zur Europa-League-Qualifikation gegen Rijeka (Hinspiel 1:2) zum ersten Mal auf der Bank, bevor am Sonntag die Partie gegen Hoffenheim ansteht. Schneider habe eine „imponierende Art, wie er Fußball spielen lässt“, meint Bobic. Schneider sagte, er stehe für „Offensiv-Power“, „dominantes Spiel“, „Mut“ und „ständige Angriffsbereitschaft“.

Schneiders Qualitäten sprachen sich in der Branche offenbar schon vor seiner Beförderung beim VfB herum. Es gab ein Angebot aus der Bundesliga, Assistenz-Trainer zu werden. Gerüchten zufolge handelt es sich um die TSG Hoffenheim. Bobic bat Schneider mit einem überzeugenden Argument zu bleiben: „Du bist kein Assistenztrainer, du bist ein Cheftrainer.“

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