Ein Verletzter weniger bei Hertha : Alexander Baumjohann: Im Plan ohne Zeitdruck

Herthas Spielmacher Alexander Baumjohann ist nach seinem Kreuzbandriss vor sechs Monaten wieder im Mannschaftstraining dabei. Wann er jedoch wieder im Kader stehen wird, ist noch offen: "Ich habe mir nie ein Datum gesetzt", sagt Baumjohann.

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Wieder fit, aber noch nicht spielfit: Herthas Mittelfeldspieler Alexander Baumjohann.
Wieder fit, aber noch nicht spielfit: Herthas Mittelfeldspieler Alexander Baumjohann.Foto: Imago

Alexander Baumjohann musste ein bisschen schmunzeln. Natürlich kennt er den Spielplan der Fußball-Bundesliga, und natürlich weiß er, dass der Spielplan Hertha BSC Ende März eine Woche beschert, die so etwas wie die perfekte Alexander-Baumjohann-Woche sein könnte. Ende März spielen die Berliner innerhalb von sieben Tagen gegen Borussia Mönchengladbach, Bayern München und Schalke 04. Gegen drei Vereine also, bei denen Baumjohann einmal unter Vertrag gestanden hat. Wäre das nicht der ideale Zeitpunkt für ein Comeback nach auskuriertem Kreuzbandriss? Alexander Baumjohann schmunzelt noch einmal. „Ich habe mir nie ein Datum gesetzt“, sagt er. „Damit bin ich ganz gut gefahren.“

Sechs Monate ist es her, dass Baumjohann beim Auswärtsspiel in Wolfsburg das Kreuzband gerissen ist. Sechs Monate, so sagt man, beträgt bei einer solchen Verletzung die Ausfallzeit. Insofern liegt der Mittelfeldspieler der Berliner perfekt im Plan. In einem Plan, von dem Herthas Trainer Jos Luhukay sagt, dass es ihn gar nicht gibt; nie gegeben hat. Sechs Monate Pause sind bei einem Kreuzbandriss so etwas wie ein allgemeiner Erfahrungswert. Aber wer sagt denn, dass diese Erfahrung auch im Einzelfall zutrifft? „Mitte März, Ende März – ich weiß es nicht“, sagt Baumjohann über seine Comeback-Pläne. „Ich hatte noch nie eine so große Verletzung. Deshalb kann ich das echt schwer einschätzen.“

Immerhin hat er in dieser Woche die letzte bürokratische Hürde vor seinem Comeback überwunden. Am Montag ist er von Herthas Vereinsarzt Ulrich Schleicher offiziell gesundgeschrieben worden. Teile des Mannschaftstrainings hat er zuvor schon wieder absolviert; jetzt kann er auch die bisher noch zu heiklen Übungen mitmachen – solche mit Körperkontakt. „Er ist wieder mittendrin“, sagt Trainer Luhukay. Am Dienstag hat Baumjohann erstmals ohne Einschränkungen an sämtlichen Spielformen teilgenommen. „Ohne Probleme“, wie Baumjohann sagt. Wenn es anders wäre, würde er das auch zugeben. „Ich bin der Letzte, der ein Risiko einginge.“

Mindestens der Vorletzte ist Jos Luhukay. Immer wieder mahnt er bei seinen Rekonvaleszenten zu Geduld, auch bei Baumjohann. Mehrere Wochen Pause lassen sich nicht in ein paar Tagen aufholen, mehrere Monate erst recht nicht. Anfang Januar ist Baumjohann zu den ersten Laufübungen auf den Fußballplatz zurückgekehrt, Ende des Monats hat er wieder gegen den Ball getreten. Konditionell sei er dank der Reha auf einem sehr guten Stand, sagt der 27-Jährige, aber das Gefühl für das Spiel muss sich erst wieder einstellen. Auch die Belastung ist jetzt im Training eine ganz andere. Dass Baumjohann wieder fit ist, heißt eben noch lange nicht, dass er auch schon wieder spielfit ist. „Er muss jetzt daran arbeiten, dass er sein Selbstverständnis und seinen Rhythmus findet“, sagt Herthas Trainer.

Vier Spiele hat Alexander Baumjohann im August für Hertha bestritten. Es hat gereicht, um sich ein gewisses Standing zu erarbeiten. Und auch wenn die Mannschaft seinen Ausfall – vor allem dank der Nachverpflichtungen von Per Skjelbred und Tolga Cigerci – unfallfrei kompensieren konnte, wird seine Rückkehr den Berlinern zweifellos helfen. Baumjohanns Ballfertigkeit, sein Ideenreichtum, der Blick für unerschlossene Räume haben Hertha gefehlt, gerade gegen defensiv eingestellte Gegner. Ein paar Wochen müssen die Mannschaft und Jos Luhukay wohl noch darauf warten. „Ich setze mich nicht unter Druck“, sagt Alexander Baumjohann. „Und den Trainer genauso wenig.“


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