Sport : Ein Vierteljahr im Fieber

BERLIN .Wer liebt schon unsichtbare Gegner? Vor allem dann, wenn ein solcher noch den "Kampfnamen" mononucleosis infectiosa trägt.Was sich nicht nur gefährlich anhört, ist nichts geringeres als das Pfeiffersche Drüsenfieber.Von den Auswirkungen dieser Virusinfektion konnte sich im vergangenem Spätsommer der 27 Jahre alte Thüringer Markus Beyer ganz persönlich überzeugen.Auch wenn der schalgstarke Rechtsausleger heute in der Schmeling-Halle wieder einen richtigen Kerl vor seine Fäuste bekommt, so kann er seinen bisher schwersten Kampf nicht vergessen: "Wenn du über 40 Grad Fieber hast, dich kaum noch bewegen kannst, sich Schweißausbrüche und Schüttelfrost gegenseitig ablösen, dann kriegst du es mit der Angst zu tun."

Am besten wäre es, erzählt Beyer, "wenn ich das vergangene Jahr einfach vergessen könnte".Denn den Verlauf hatte sich dieser junge Mann ganz anders vorgestellt.Nach den Olympischen Spielen von 1996 in Atlanta war Beyer mit seinem langjährigen Trainer Hans-Ulrich Wegner von den Amateuren ins Profilager gewechselt.Für 1998 war ein großer Titelkampf geplant.Denn bestritt aber ein anderer: Sven Ottke.Der einstige "Amateur aus Überzeugung" (Ottke) war ein halbes Jahr später zum Kölner Profi-Camp gestoßen, doch der 31jährige brachte es im vergangenen Oktober zum Weltmeister, diesen Titel er heute im Hauptkampf des Abend zu verteidigen hat.Erst ein Sehnenabriß im rechten Daumen und dann das Beyer lahmlegende Drüsenfieber "warfen mich weit zurück", sagt Beyer.Es war der 30.August und ein Kampfabend in Leipzig mit Axel Schulz."Nach der vierten Runde bekamm ich solche Schweißausbrüche, ich mußte aufstehen und die Halle verlassen." Was wie eine Provokation aussah, waren erste Anzeichen des Drüsenfiebers.Nach einer durchschwitzen Hotel-Nacht schrieb ihn der Arzt transportunfähig.Beyer blieb wochenlang bei seiner Schwester bei Leipzig.

Zur selben Zeit etwa litten sieben Spieler des Basketball-Bundesligisten Telekom Bonn ebenfalls unter dem Drüsenfieber.Ein halbes Dutzend Spiele wurde abgesagt.Schlimmer traf es da schon Olaf Bodden.Der Stürmer des Fußball-Bundesligisten München 1860 hat zuletzt ein Spiel irgendwann 1997 bestritten."An den habe ich im ersten Moment auch gleich gedacht.Zum Glück war bei mir Ende Oktober alles wieder vorbei", so Beyer."Aber drei Kämpfe in einen Jahr sind einfach zu wenig", sagt Beyer.Seit November 1996 bestritt der Mittelgewichtler 13 Profikämpfe siegreich.Als Amateur stand der Vizeeuropameister von 1996 274 mal im Ring.236 verließ er diesen als Sieger."Wenn einer das Zeug zum Weltmeister hat, dann Markus", sagt Manager Wilfried Sauerland, der einen solchen Kampf noch in diesem Jahr für realistisch hält.Vorausgesetzt, Beyer bleiben Gegner eingangs erwähnter Sorte erspart.

MICHAEL ROSENTRITT

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