Sport : Ein völlig neues Gefühl

In der Bundesliga führen Albas Basketballer die Gegner vor, gegen Sofia waren sie selber chancenlos

Helen Ruwald

Berlin - Zumindest blieben Marco Baldi Jubel am Nebentisch, Hohn und Spott erspart. Wegen einer Stirnhöhlenvereiterung war der Vizepräsident von Alba Berlin nicht mit zum Uleb-Cup-Spiel bei Lukoil Academic Sofia gereist, sondern hatte das Basketballspiel gemeinsam mit Präsident Dieter Hauert im bulgarischen Fernsehen gesehen, in einer bulgarischen Kneipe in Berlin-Mitte. Die Berliner verloren 88:108, Sofia-Fans waren nicht zugegen. Baldi war auch so bedient, „schlecht“ sei das gewesen, was er gesehen habe.

Seine Aufgabe am nächsten Tag war es, einerseits nichts zu beschönigen, andererseits aber auch zu verhindern, „dass jetzt alles in Schutt und Asche geredet wird“. Klar sei aber: „Die tolle Stimmung ist dahin. Das Gebot der Stunde heißt locker bleiben.“ In der Bundesliga hat der Tabellenführer alle acht Spiele gewonnen, mit bis zu 30 Punkten Vorsprung. Das erste Uleb-Cup-Spiel gegen Aris Saloniki ging durch einen Distanzwurf in letzter Sekunde 86:89 verloren, doch am Dienstag wurden die Berliner erstmals in dieser Saison so vorgeführt, wie sie sonst andere vorführen. „Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass wir in der Bundesliga bisher keinen echten Härtetest hatten“, sagt Teammanager Henning Harnisch. Freilich dominiert auch Sofia im eigenen Land – und hatte keine Probleme. Die ersten vier Teams der Sechsergruppe erreichen das Achtelfinale. Am Dienstag tritt Alba als Letzter der Gruppe A beim ebenfalls noch sieglosen Team von Estudiantes Madrid an – und steht schon unter Druck.

„Das war nicht unser Abend“, sagt Trainer Henrik Rödl. Seine Mannschaft leistete sich 25 Ballverluste und konnte Sofias Spielmacher Lamont Jones (31 Punkte) nie stoppen. Dass bei Alba Hollis Price (22), Demond Greene (22) und Jovo Stanojevic (16) zweistellig punkteten, reichte nicht. Der zuletzt überragende Mike Penberthy machte diesmal nur fünf Punkte. Der Einbruch kam für die Beteiligten überraschend. Sofia sei in der winzigen Halle der Kleinstadt Pravets vor rund 600 Fans „sehr, sehr gut gewesen. Die waren von Anfang an heiß. Das hat uns verunsichert“, sagt Rödl über sein durchaus routiniertes Team. 27:14 führte Sofia nach zehn Minuten, später sogar 81:54. Rückstände, die Alba aus der Bundesliga nicht gewohnt ist, wo „wir uns in einen Rausch gespielt haben“, sagt Rödl. In Pravets „waren wir überrascht, dass es am Anfang nicht so lief und dass man so weit zurückliegen kann“. Zwischendurch arbeitete sich sein Team auf neun Punkte heran, war dann aber nicht konsequent genug.

„Wir haben in der Bundesliga spektakuläre Spiele geliefert, der Ausschlag kann aber eben auch nach unten gehen“, sagt Baldi. Weder die einen noch die anderen Auftritte entsprächen Albas eigentlichem Leistungsstand. Er sei überrascht gewesen, wie schnell das neu zusammengesetzte Team harmoniert habe – nun ist klar, dass noch viel Arbeit wartet. Am Samstag in Oldenburg wird sich zeigen, wie gefestigt die Mannschaft ist. Dass im Uleb-Cup noch alles möglich ist, zeigt – mit umgekehrten Vorzeichen – die vergangene Saison. Alba gewann damals die ersten vier Spiele und schied aus.

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