Sport : Ein Wechsel zu viel

Borussia Dortmund spielt im DFB-Pokal mit einem Ersatzteam – und verliert 0:3 beim Zweitligisten Freiburg

Christoph Kieslich

Freiburg. Manche Dinge im Leben lassen sich im Schonprogramm erledigen. So muss Matthias Sammer gedacht haben, als er sich die Startformation für das Pokalspiel beim SC Freiburg ausgedacht hat. Das Ergebnis ist, dass Borussia Dortmund seine erste Saison-Niederlage in den nationalen Wettbewerben bezogen hat und sich künftig zurücklehnen kann, wenn es im DFB-Pokal weitergeht. Möglicherweise werden in den kommenden Tagen vor dem Bundesliga-Gipfel in München auch die spielerischen Mängel thematisiert, die der Deutsche Meister bei der 0:3 (0:2)-Niederlage gegen den blendend aufgelegten SC Freiburg offenbart hat.

Im Vergleich zum Punktspiel am Samstag brachte Sammer nicht weniger als sechs neue Spieler. Von manchen schöpferischen Pausen – wie die für den in dieser Saison stark beanspruchten Jan Koller – durfte man im Vorfeld des Spiels ausgehen. Andere Umstellungen waren weitaus überraschender, so der Tausch im Tor, in dem Roman Weidenfeller anfing.

Angeblich soll diese Rochade im DFB-Pokalwettbewerb vor der Saison abgemacht worden sein, in Freiburg jedenfalls hatte sie einen aus Dortmunder Sicht nicht unerwünschten Nebeneffekt. Im März war es beim letzten Aufeinandertreffen im Dreisamstadion zu dem bösartigen Tritt von BVB-Schlussmann Jens Lehmann gegen den Freiburger Offensivspieler Soumaila Coulibaly gekommen. Das Foul blieb zunächst ungeahndet, der Nationalkeeper erhielt aber nachträglich vier Spiele Sperre und jede Menge schlechte Presse. Gestern nahm Lehmann unauffällig Platz auf der Dortmunder Ersatzbank und ersparte sich weitgehend die Schmähungen des Freiburger Publikums, das sich an den ungeliebten ehemaligen Freiburgern Jörg Heinrich und Sebastian Kehl abarbeiten konnte. Evanilson, Metzelder, Frings und Rosicky mussten ebenfalls auf der Ersatzbank Platz nehmen.

Volker Finke hatte sich auf die Partie gefreut. „Das ist das leichteste Spiel seit Saisonbeginn – wir sind Außenseiter, und das ist unheimlich schön“, sagte Freiburgs Trainer. Die Champions-League-Teilnehmer hatten noch nicht zueinander gefunden, als sie bereits einem Rückstand hinterher liefen. Der Schweizer Bruno Berner düpierte Heinrich, und Soumaila Coulibaly erzielte das 1:0 mit einem Hechtkopfball aus zwölf Metern.

Die Reaktion der Dortmunder blieb nicht aus, vor allem über Ewerthons rechte Seite wurde Druck ausgeübt, doch bis auf ein wegen Abseits aberkanntes Weitschusstor von Dede (15. Minute) blieben diese Bemühungen überschaubar. Zu sicher standen die Freiburger. Volker Finke lobte deren „Laufbereitschaft und Schlauheit“.

Damit gaben sich die Gastgeber aber nicht zufrieden. Ramdane wurde im letzten Augenblick noch von Heinrich gestoppt (23.), und Kobiaschwili setzte in der 39. Minute einen Freistoß ans Außennetz. Das 2:0 kombinierte der Sport-Club dann in seinem typischen Stil mit kurzen Pässen heraus. Und es war eine Koproduktion des ältesten Freiburger Feldspielers Andreas Zeyer (34) mit einem der jüngsten: Jan Männer vollendete in der 41. Minute überlegt.

Bevor sich die Dortmunder eines Besseren besinnen konnten, machten die Freiburger die Pokalüberraschung perfekt. Die neunte Minute nach dem Seitenwechsel lief, als Wörns Coulibaly unbehelligt flanken ließ, und am kurzen Pfosten war Zeyer läuferisch und gedanklich einen Tick schneller als Dede. Gegen Zeyers Volleyabnahme hatte Weidenfeller nichts auszurichten.

Freiburg hatte sogar noch Chancen, das Ergebnis auszubauen. Der selbst ernannte Aufstiegskandidat hat nach dem Gang in die Zweite Liga das Selbstwertgefühl aufpoliert. Freiburg zeigte gestern sich selbst, seinen Fans und der Fußball-Nation: Wir sind aus dem Gröbsten raus.

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