Sport : Ein Wochenende Istaf

Das Meeting dehnt sich auf zwei Tage aus

Friedhard Teuffel
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Oben bleiben. Nachdem das Istaf abzustürzen drohte, ist jetzt die Zukunft für die nächsten drei Jahre gesichert. Foto: ddpAFP

Berlin - Berlin hat jetzt eine Art sportliches Grundgesetz. Es nennt sich „Leitbild für die Sportmetropole Berlin“ und hält alles auf Papier fest, was Sport in der Stadt sein soll: Alltagsbereicherung, Integration, Lebensqualität, Imagefaktor und sonst noch einiges mehr. Wie dieses Grundgesetz nun umgesetzt werden soll, das konnte der für Sport zuständige Staatssekretär Thomas Härtel auch gleich an einem besonderen Beispiel erklären: „Das Istaf wird im Olympiastadion stattfinden“, sagte er, „eingerahmt von einem Berliner Sportwochenende im Olympiapark.“

Damit sind auf einen Schlag mehrere Aspekte aus dem Leitbild umgesetzt – die Imagepflege für Berlin, die Stärkung des Wirtschaftsstandorts, aber vor allem das strategische Ziel, dass Sport den Alltag bereichern soll. Das Istaf ist schließlich eines der herausragenden Sportereignisse in der Stadt. Es hatte dabei geholfen, die Leichtathletik-Weltmeisterschaften nach Berlin zu holen, jetzt soll es auch ein bisschen den Nachlass der WM verwalten.

Härtels Ankündigung vertrieb die letzte Unsicherheit, das mehr als 70 Jahre alte Leichtathletik-Meeting könnte doch noch scheitern. Der bisherige Veranstalter Gerhard Janetzky wollte eigentlich in den Jahnsportpark umziehen, weil ihm das Olympiastadion zu groß geworden war, dann stellte er sich selbst vor die Entscheidung: entweder ein Istaf im Olympiastadion oder gar keins. Jetzt steht fest, dass am 5. September 2010 das nächste Istaf im Olympiastadion ausgetragen wird. Und auch für die beiden darauffolgenden Jahre hat Janetzky die Zusage des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, zwischen 60 und 90 Minuten vom Leichtathletik-Meeting zu übertragen.

Veranstalter werden künftig allerdings nicht mehr Janetzky und sein Geschäftspartner Werner Gegenbauer sein, für das Istaf ist nun der Berliner Leichtathletik-Verband verantwortlich. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich Meeting-Direktor Janetzky zurückzieht: Erst kürzlich hat er sich zum Präsident des Berliner Leichtathletik-Verbandes wählen lassen und wird auch dem neuen Organisationskomitee des Istaf angehören. „Mein Plan ist, dass wir als Verband für das Sportliche zuständig sind und andere Bereiche wie das Ticketing oder Sponsoring ausschreiben“, sagt Janetzky.

Zwischen zwei und zweieinhalb Millionen Euro soll der Etat der Veranstaltung betragen, mit einigen Sponsoren verhandelt Janetzky gerade noch. Im Olympiastadion will er aber nur den Unterring öffnen und den Oberring verhüllen, mehr Kartenverkäufe traut er sich und der internationalen Leichtathletik derzeit nicht zu. Das Istaf wird auch nicht der höchsten Meeting-Kategorie angehören, der Diamond League, sondern der zweitklassigen Challenge League. Die entscheidende Veränderung ist jedoch die Ausdehnung auf ein ganzes Wochenende. „Wir wollen daraus ein Zwei-Tages-Event machen. Der Samstag soll ein Tag des Berliner Sports in Zusammenarbeit mit dem Landessportbund werden“, sagt Janetzky. An diesem Tag könnten Staffeln und Jedermannwettbewerbe stattfinden, der Sonntag gehört dann dem Istaf selbst.

Mit diesen Plänen dürfte auch das Projekt des Deutschen Leichtathletik-Verbandes erst einmal erledigt sein. Der Verband wollte einen Vierländerkampf im Olympiastadion veranstalten. „Das war fürs Fernsehen einfach nicht interessant genug“, sagt Staatssekretär Härtel. Vor einigen Jahrzehnten zogen Länderkämpfe noch Zehntausende Zuschauer in die Stadien. Inzwischen liegt die Macht in der Leichtathletik nicht mehr bei den nationalen Verbänden, sondern bei den einzelnen Athleten und ihren Managern. Ein Länderkampf mit Jamaika ist daher noch lange kein Länderkampf mit Usain Bolt.

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