Sport : Ein Zeichen für die Zukunft

Karsten Doneck

Irgendwann, so gegen 20.35 Uhr, leuchtete auch dem Zuschauer in der hintersten Reihe des Stadions die Hoffnungslosigkeit des Unterfangens ein. Unten auf dem Rasen mühten sich elf Spieler in rot-weißen Trikots vergeblich, einen Zwei-Tore-Rückstand wettzumachen. Vorbei war damit der vage Traum vom Bundesliga-Aufstieg. Das Publikum reagierte. Mit niedermachenden Sprechchören gegen die eigene Elf vielleicht? Oder mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert? Nein, zehn Minuten vor Schluss erhob sich im Stadion an der Alten Försterei Volkes Stimme ganz anders. "Union, Union - Eisern Union", donnerte es da von den Rängen - so laut, dass sich Tierschützer um die Fauna in der Wuhlheide berechtigte Sorgen machen mussten. Leidenschaftlich klang der Ruf der Fans, auch ein bisschen trotzig, auf jeden Fall verzeihend. Nach der 1:3-Niederlage gegen den Karlsruher SC am Freitagabend, die dem 1. FC Union alle Aufstiegsträume nahm, bewies der Anhang des Berliner Fußball-Zweitligisten Größe. "Das beste am Spiel waren unsere Fans", lobte Unions Präsident Heiner Bertram.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Unions treue Gefolgschaft hat begriffen, dass ihr Verein als Aufsteiger aus der Regionalliga mit der frühzeitigen Sicherung des Klassenerhalts in Liga zwei und dem vorübergehenden Schnuppern an den Aufstiegsplätzen mehr erreicht hat, als vorab gedacht. Doch rund um die Wuhlheide werden die Erwartungen wachsen. Die Vorgabe steht. "Unser langfristiges Ziel muss die Erste Liga sein", hat Bertram die Richtlinie klar vorgegeben. Doch die Voraussetzungen dafür sind alles andere als günstig.

Schon in der Rückrunde dieser Saison hat sich gezeigt, dass das ballspielende Personal bei Union knapp ist. Verletzungen und Gelb-Sperren rissen Löcher ins Mannschaftsgefüge, die von der Ersatzbank her nicht gleichwertig gestopft werden konnten. Gegen den KSC saßen Lutuf Dinc und Andreas Ruhmland auf der Bank, zwei Spieler mit null Zweitligaerfahrung. An dieser Situation wird sich nichts ändern. "Wir holen vier, fünf neue Spieler", kündigt Bertram an. "Wieviel?", fragte Trainer Georgi Wassilew nach. Der Bulgare weiß, dass der Union-Kader damit auch künftig wieder nur 17, 18 Spieler umfassen wird, weil ja Ersatzleute wie Tredup, Fährmann oder Chifon mangels Leistung den Verein verlassen müssen. "Ich kann nur zu Gott beten", sagt Wassilew ein wenig dramatisch, "dass wir in der nächsten Saison von schweren Verletzungen verschont bleiben."

Wassilew, ganz der brave Angestellte, fügt sich. Notgedrungen. "Ich werde keinen Druck auf das Präsidium ausüben", verspricht er. "Wenn die finanziellen Voraussetzungen nicht da sind, kann man nichts machen." Ein wenig offenbar doch. Unbedingt mahnt er für zwei Positionen Verstärkung an. "Im rechten Mittelfeld mit Balcarek oder Okeke - das ist nicht die Lösung, und wir müssen auch noch einen Stürmer für rechts finden", sagt Wassilew. Und die Abwehr? Nach dem Spiel gegen den KSC nahm der Union-Trainer Verteidiger Daniel Ernemann aufs Korn. "Das war ja eine Katastrophe, wie der sich beim zweiten Gegentor verhalten hat. Das Tor hat das ganze Spiel verändert", schimpfte er.

Die Niederlage gegen den Karlsruher SC mag für Union auch ihr Gutes gehabt haben, hat sie doch den Erkenntnisstand der Spieler erweitert. Torwart Sven Beuckert stellte hinterher fest: "Dieses Spiel sollte für uns auch ein Zeichen für die Zukunft sein, dass eben nichts von alleine geht." Wahrlich kluge Worte.

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