Sport : Ein Zeichen für Müller

Der verletzte Herthaner fällt für Monate aus – und erhält einen Profivertrag

Stefan Hermanns

Falko Götz saß vor dem Fernseher, als Christian Müller in Cottbus in einen scheinbar normalen Zweikampf rutschte. Was dann passierte, hat den Trainer von Hertha BSC geradezu schockiert. „Mir war sofort klar, dass es eine schwere Verletzung ist“, sagte Götz. Müller zog sich bei dem Zusammenprall mit seinem polnischen Gegenspieler Fonfara einen Schien- und Wadenbeinbruch zu und fehlt dem Berliner Fußball-Bundesligisten für mehrere Monate.

Für Müller war es der erste Einsatz in der deutschen U-21-Nationalmannschaft. Doch der war nach nicht einmal fünf Minuten schon wieder beendet. In Höhe der Mittellinie, genau vor der Haupttribüne des Cottbuser Stadions der Freundschaft, rutschten Müller und sein Gegenspieler ineinander. Es gab einen kurzen trockenen Knall. „Ich habe es aus 30 Meter Entfernung krachen hören", sagte Müllers Teamkollege Christian Schulz. Ihm war gleich klar, dass der Zusammenprall schlimme Folgen haben würde. Ein absichtliches Foul war es nicht, eher ein Unfall. Als die Begegnung nach einigen Minuten fortgesetzt wurde, gab es sogar Freistoß für die polnische Mannschaft. „Das Spiel ist für mich zweitrangig geworden“, sagte U-21-Trainer Dieter Eilts nach dem 1:1 in der EM-Qualifikation. „Die Mannschaft war konsterniert und nicht mehr in der Lage, Fußball zu spielen.“

Müller wurde zunächst in einem Cottbuser Krankenhaus untersucht. Als sich herausstellte, dass keine Gefäße verletzt waren, wurde er zusammen mit seinem Berater Jörg Neubauer per Hubschrauber ins Martin-Luther-Krankenhaus nach Berlin geflogen. Am Mittwochmorgen wurde Müller operiert, wobei die Bruchstelle mit einem Nagel fixiert wurde. Bei glücklichem Heilungsverlauf wird der Mittelfeldspieler den Berlinern drei Monate fehlen, Hertha BSC kalkuliert mit vier bis fünf Monaten.

Für den 20-Jährigen ist es bereits die zweite schwere Verletzung seiner Karriere. Wegen einer Entzündung an der Ferse musste sich Müller mehrmals an der Achillessehne operieren lassen. Mehr als ein Jahr war er deswegen ausgefallen. „Das war weit schlimmer als die Verletzung jetzt“, sagt Müllers Berater Neubauer. „Der Junge ist ein Kämpfer. Der kommt wieder."

In dieser Saison hat der Mittelfeldspieler den Sprung in die Profimannschaft geschafft: Gleich in seinem ersten Bundesligaspiel erzielte er ein Tor, in der Woche darauf schoss er in Kaiserslautern das 2:0 für Hertha. Inzwischen ist Müller, der immer noch Vertragsamateur ist, neunmal in der Bundesliga zum Einsatz gekommen. „Er kann wieder topfit werden“, sagt Dieter Hoeneß, der Manager der Berliner. Müller soll nun einen Profivertrag und ein höheres Gehalt bekommen, sagt Hoeneß – „wir wollen damit ein Zeichen setzen“.

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