Sport : Ein, zwei Sieger

McLaren-Pilot Juan Pablo Montoya gewinnt in Silverstone vor Fernando Alonso

Karin Sturm[Silverstone]

Der Große Preis von Großbritannien hatte zwei Sieger: Juan Pablo Montoya überquerte in seinem McLaren-Mercedes als Erster die Ziellinie beim Formel-1-Rennen in Silverstone und sicherte sich seinen ersten Saisonerfolg. Aber auch der Mann im Renault hinter ihm durfte sich als Gewinner fühlen. Fernando Alonso baute als Zweiter seinen Vorsprung an der Spitze der Weltmeisterschaftswertung vor Kimi Räikkönen auf 26 Punkte aus, der gestern auf Platz drei ins Ziel kam. „Ich hätte das Rennen gewinnen können, aber am Ende konnte ich langsamer fahren, denn ich wusste, Kimi ist weit hinter mir“, sagte der Spanier zu seiner Taktik in der Schlussphase.

Weltmeister Michael Schumacher hat als Sechster wohl die letzte realistische Chance auf die Titelverteidigung eingebüßt. „Das ist sicherlich in weiter, weiter Ferne momentan“, sagte er angesichts eines Rückstandes von 34 Punkten zu Alonso. „Wenn man sich die letzten Rennen anschaut, dann muss man ganz klar sagen, wir sind eher rückwärts gegangen als vorwärts.“

Drei Tage nach den Terroranschlägen in London wehten die Fahnen rund um den Kurs auf halbmast. Nach der britischen Nationalhymne wurde mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht, dann wurden die Motoren gestartet. In einem unspektakulären Rennen überholte Montoya den Trainingsschnellsten Alonso mit einem konsequenten Manöver schon am Start. „Ich wusste, dass ich mehr als Fernando riskieren konnte“, sagte Montoya. „Denn für ihn geht es schließlich um die WM.“ Mercedes-Sportchef Norbert Haug war zufrieden, auch wenn in Montoya der McLaren-Pilot gewonnen hatte, der keine echte WM-Chance mehr hat. „Bei Juan Pablo ist endlich der Knoten geplatzt“, sagte Haug. „Aber auch Kimi war Weltklasse. Er hat nur zwei Punkte auf Alonso verloren, alles bleibt offen.“

Unter normalen Umständen hätte der Finne das Rennen höchstwahrscheinlich gewonnen, doch wie schon beim Rennen in Frankreich vor einer Woche wurde er aufgrund eines Motorschadens in der Startaufstellung um zehn Plätze nach hinten versetzt – so musste er gestern statt als Zweiter von Rang zwölf ins Rennen gehen. Und wie in Frankreich fuhr er nach einer Aufholjagd noch aufs Podest.

Von der Teilnahme an der Siegeszeremonie war Michael Schumacher am Sonntag weit entfernt. Nach 60 Runden kam er mit mehr als einer Minute Rückstand auf den Gewinner Montoya ins Ziel.

Für Montoya soll der fünfte Grand-Prix-Sieg der Beginn einer besseren zweiten WM-Hälfte sein. „In der Gesamtwertung habe ich natürlich keine Chance mehr“, sagte Montoya, gab sich aber trotzdem kämpferisch: „Ich hatte zu Beginn der Saison keine leichte Zeit, doch das soll jetzt der Vergangenheit angehören. Ich will zeigen, was ich draufhabe.“

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