Sport : Ein Zweikampf wird international

In Kiel sind die Torhüter Fritz und Omeyer Konkurrenten – bei der WM spielen sie gegeneinander

Hartmut Moheit[Dortm]

„Wenn nicht jetzt, wann dann ...“ – die erste Zeile aus dem Song zur Handball-WM scheint für Henning Fritz geschrieben zu sein. Beim THW Kiel war der 32-Jährige zuletzt nur noch dritter Torwart – mit wenig Einsätzen in der Bundesliga, kaum einem Leistungsnachweis und mangelndem Selbstvertrauen. Die großen Erfolge schienen weit weg zu sein, etwa die Auszeichnung zum Welthandballer, die er 2004 als erster Torwart überhaupt erhalten hatte. Aufbauen konnte er sich vor dem Turnier allenfalls an den Worten von Bundestrainer Heiner Brand: „Henning Fritz ist meine Nummer eins.“

Vor der WM war das noch ein mutiger Vertrauensbeweis, inzwischen ist es eine Selbstverständlichkeit. Fritz hat sich ins Turnier hineingesteigert, und heute gegen Frankreich kommt es in Dortmund (16.30 Uhr, live in der ARD) für ihn sogar zu einem persönlichen Duell: Auf der anderen Seite des Feldes steht Thierry Omeyer, der Torwart, der ihn beim THW Kiel verdrängt hat.

Fritz machte das schwer zu schaffen, zumal Klubtrainer Zwonimir Serdarusic ihm auch noch den Schweden Mattias Andersson vorzog und Fritz somit nur ein Platz auf der Tribüne blieb. Es schien nur schwer verständlich, dass Fritz unter diesen Umständen seinen Vertrag in Kiel bis 2009 verlängerte.

Wenn sich Fritz und Omeyer heute gegenüberstehen, ist das nun jedoch wieder ein Vergleich auf Augenhöhe. Denn Fritz scheint wieder seine alte Form gefunden zu haben. Von Spiel zu Spiel wurde er besser, bis er zuletzt beim 35:28 (19:11) am Donnerstag gegen Tunesien für seine Glanztaten als bester Spieler geehrt wurde. Schon im Training war er nach Aussage von Johannes Bitter, der deutschen Nummer zwei im Tor, „aggressiv wie nie“. Für Brand war das eine Genugtuung: „Ich wusste, dass er uns sehr helfen kann.“ Dabei soll und darf es aus Sicht des deutschen Coaches nicht bleiben. „In der jüngeren Vergangenheit holte kein Team einen großen Titel, das nicht auch einen überragenden Torhüter hatte.“

Ein Erfolg im Kräftemessen mit Omeyer wäre auf jeden Fall eine Genugtuung für Fritz, auch wenn er sagt: „Nicht Omeyer hat mir meinen Arbeitsplatz in Kiel genommen, sondern ich habe zuletzt meine Leistung nicht mehr gebracht. Wäre ich besser gewesen, hätte der Verein ihn auch nicht verpflichten müssen.“ Omeyer bemüht sich ebenfalls, die persönliche Note aus dem Spiel zu nehmen: „Das wird kein Spiel zwischen Omeyer und Fritz, sondern zwischen Frankreich und Deutschland.“

Fritz ist es momentan auch gleichgültig, ob sich sein Klubtrainer das Spiel anschaut. „Ich konzentriere mich allein auf die Franzosen. Meine Leistung vom Tunesien-Spiel wird gegen sie nicht ausreichen“, sagt er. Einen Vorteil sieht er nicht darin, dass Frankreichs herausragender Nikola Karabatic ebenfalls in Kiel spielt. „Natürlich kenne ich ihn genau. Aber es bringt nichts, wenn ich in eine von ihm bevorzugte Ecke gehe. Er kennt mich doch ebenfalls gut.“ Deshalb braucht ein Torhüter intuitive Reaktionen. Anders ist gegen Karabatic, Daniel Narcisse, die Brüder Gille oder auch Jerome Fernandez nichts zu halten.

Aber Fritz ist in der Lage, sich mit Emotionen zu überragenden Aktionen zu verhelfen. Gerade dann, wenn es drauf ankommt. Es waren vor allem die Emotionen, die ihm abhandengekommen waren. Das genaue Gegenteil von dem, was gegen Tunesien von ihm ausging: Er riss die Arme nach gehaltenen Bällen hoch, ballte die Faust und schickte damit dem Gegner einen Gruß hinterher. Die Körpersprache war fast wieder die von früher. „Im Moment habe ich ein Supergefühl“, sagt er. Wenn nicht jetzt bei dieser WM in Deutschland, wann dann sollte es auch bei Henning Fritz zurückkommen?

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