Sport : Einblick in die Betrügerszene

Ein Report über Doping im Radsport

Frank Bachner

Wolfgang Stockhausen stieg aus, als er Teil der großen Manipulation zu werden drohte. Der Verbandsarzt Stockhausen betreute Spitzenradrennfahrer, aber bei der WM 1998 stellte er fest, dass Sportler vor der Bestimmung des Hämatokritwerts ihres Bluts viel kürzer als bis dahin von Kontrolleuren beobachtet wurden. Der Wert kann ein Indiz für Doping sein; wenn man vor seiner Bestimmung unbeobachtet genug Zeit hat, kann man ihn manipulieren. Die Geschichte von Stockhausen, der sich aus dem Hochleistungssport zurückzog, ist Teil des wohl besten und umfassendsten Reports über Doping im Radsport, der je in Deutschland erschienen ist. Herausgegeben hat ihn Ralf Meutgens, der profilierteste deutsche Dopingexperte im Radsport. Zusammen mit vielen Gastautoren greift er spannend und tiefgründig alle relevanten Punkte zum Thema auf. Ein Interview mit dem französischen Profi Christophe Basson, der über Doping redete und deshalb von Tour-Star Lance Armstrong bedroht wurde, gehört ebenso dazu wie Feinheiten über Dopingsubstanzen und ihre Wirkungen. Zielgruppe des Buchs sind nicht Dopingexperten, die finden wenig Neues. Es richtet sich an jene Fans, die spätestens seit dem Fall Ullrich vieles im Radsport hinterfragen. Sie erhalten genügend Antworten.

— Ralf Meutgens

(Hg.): Doping im Radsport. Delius Klasing Verlag, 318 Seiten, 18 Euro.

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