Sport : Eine Ära endet

Jetzt verkünden auch die Eisbären, dass Trainer Pierre Pagé den Klub verlässt

Claus Vetter

Berlin - Die gemeinsame Geschichte von Pierre Pagé und den Eisbären Berlin hätte schon im Frühjahr 2003 enden können. Damals schied der Favorit auf die deutsche Eishockeymeisterschaft im vierten Halbfinalspiel bei den Krefeld Pinguinen aus. Kaum war das Spiel vorbei, war Pagé schon in Richtung Flughafen verschwunden, ließ Spieler und Manager Peter John Lee zurück. Zwei Tage lang versteckte sich der frustrierte Trainer danach – sein Klub verzieh es ihm. Zum Glück für die Eisbären. Denn die Ära Pagé sollte zur erfolgreichsten der Vereinsgeschichte werden. Nach einer Finalteilnahme im Jahr 2004 wurden die Eisbären zwei Mal in Folge Deutscher Meister. Noch einmal können sie das unter dem zuweilen exzentrischen Pagé werden – dann verlässt der 58 Jahre alter Kanadier den Klub: Gestern verkündeten die Eisbären auch offiziell, dass die Zusammenarbeit mit dem Trainer nach etwas mehr als fünf Jahren mit Saisonende vorbei ist.

Überraschend war die Note zu Pagés Abgang nicht, überraschend war allein ihr Zeitpunkt. Schon im Herbst hatte Pagé seinem Arbeitgeber signalisiert, dass er den Klub zum Saisonende verlassen will. An sich ist das nach fünf Jahren in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) keine Affäre – kein anderer Trainer ist in der Liga so lange im Amt wie Pagé. Doch bei den Eisbären wurde seit Monaten mitunter mehr über die Zukunft des Trainers diskutiert als über die Spiele der Eisbären, die in der laufenden Saison der DEL meist mäßig waren: Zwei Spieltage vor Ende der Hauptrunde liegen die Berliner nur auf Rang neun, kommende Woche müssen sie eine Qualifikationsrunde für die Play-offs bestreiten, während sich die direkt für die Endrunde qualifizierte Konkurrenz auf den Plätzen eins bis sechs ausruht.

Am Dienstag verabredeten Manager Lee und Pagé, den Abschied des Trainers offiziell zu verkünden. „Ich will mich nun auf den Rest der Saison konzentrieren“, sagte Pagé am Mittwoch dem Tagesspiegel. Überhaupt könne er es nicht verstehen, warum seine berufliche Zukunft so interessant sei. „Ich bin hier nicht die Geschichte.“ Seit langer Zeit ist bekannt, dass das Verhältnis zwischen Manager und Trainer von atmosphärischen Störungen begleitet wurde. Pagé würde die Eisbären nicht verlassen, wenn er keinen Grund hätte. „Es gefällt mir doch in Berlin“, sagt er. Lässt sich im Streit des Realisten Lee und des Visionärs Pagé ein Bösewicht finden? Kaum. Zwei Meistertitel zeugen davon, dass die Zusammenarbeit von Pagé und Lee sehr erfolgreich war.

Unglücklich für die Eisbären ist allerdings, dass die Saison noch läuft. Es erscheint kaum möglich, dass die Berliner angesichts ihrer zur Schau getragenen Zerstrittenheit die Spielzeit noch erfolgreich zu Ende bringen. Vor einigen Tagen hatte Stürmer Kelly Fairchild sogar Pagé öffentlich kritisieren dürfen und wurde nach nur einem Spiel Pause wieder in den Kader aufgenommen. Pierre Pagé sagte gestern eher trotzig: „Wir müssen nun eben die Überraschungsmannschaft werden.“ Zu seiner Zukunft will der scheidende Trainer offiziell nichts sagen, sie könnte laut Gerüchten beim österreichischen Klub Red Bull Salzburg stattfinden. In Berlin hinterlässt Pagé ein vom ihm erfolgreich mitinitiiertes Nachwuchsprojekt bei den Eisbären, das einige deutsche Nationalspieler hervorgebracht hat. Für die Berliner ist das ein kostbares Erbe – und ein belastendes. Denn welcher Trainer soll es so engagiert und erfolgreich fortführen wie Pagé? Die Antwort auf die aktuellen Probleme der Eisbären ist aber wohl auch die richtige: Mit Pierre Pagé wäre es aufgrund der jetzigen Konstellation auch nicht weitergegangen. Für die Berliner ist die erfolgreichste Phase ihrer Klubhistorie Geschichte – seit gestern auch offiziell.

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