Sport : Eine andere Liga

Der VfB Stuttgart verliert sein erstes Champions-League-Spiel

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Glasgow (Tsp). Kennt noch jemand Jovo Simanic? Der Jugoslawe hat kein einziges Bundesligaspiel für den VfB Stuttgart bestritten, in der Historie des Klubs jedoch eine wichtige Rolle gespielt. Am 30. September 1992 wurde er von Christoph Daum, dem damaligen VfBTrainer, im Europacup-Spiel gegen Leeds United eingewechselt, und weil Simanic der vierte Ausländer im Stuttgarter Team war, verpasste der VfB den Einzug in die seinerzeit erstmals ausgetragene Champions League. Fast elf Jahre mussten der Verein und seine Fans vergeblich warten, gestern Abend war es so weit. Im ausverkaufen Ibrox-Park zu Glasgow bestritt der VfB Stuttgart gegen die Rangers seine Champions-League-Premiere. Der Vizemeister aus der Bundesliga sah schon wie der Sieger aus. Doch innerhalb von sechs Minuten drehten die Schotten das Spiel, machten aus dem 0:1 ein 2:1.

Kevin Kuranyi hatte die Stuttgarter kurz vor der Pause mit 1:0 in Führung gebracht. Der Stürmer spielt offensichtlich gerne gegen schottische Teams. Vor einer Woche bereitete er im Länderspiel das 1:0 für die Deutschen vor. Gestern brachte er seine Mannschaft in der Nachspielzeit der ersten Hälfte in Führung. Marcelo Bordon hatte einen Freistoß aus 25 Metern an den Pfosten gesetzt, den Abpraller drückte Kuranyi ins Netz.

Eine Revanche für die 1:2-Niederlage der schottischen Nationalmannschaft gegen die deutsche vor einer Woche war es trotzdem nicht. Bei den Rangers stand kein einziger Schotte in der Anfangself, dafür durften die beiden Deutschen Stefan Klos und Christian Nerlinger mitwirken. Auf der anderen Seite hatte VfB-Trainer Felix Magath für den verletzten Jurica Vranjes den etwas offensiveren Christian Tiffert aufgeboten. „Natürlich ist das auch ein Signal an die Mannschaft, dass wir mit drei Punkten nach Hause fahren wollen“, sagte Magath. Daraus wurde nichts. Im sechsten Europacupspiel auf schottischem Boden kassierten die Stuttgarter die sechste Niederlage.

Der VfB benötigte eine gewisse Zeit, bis er sich an die neue Liga gewöhnt hatte. „Bis vor zwei Jahren haben die meisten bei uns von der Champions League nur geträumt“, sagte Magath. Dass der Traum wahr geworden ist, merkten seine Spieler recht schnell. Schon in der dritten Minute wurde Nationalspieler Andreas Hinkel von der Realität überrascht, als er einen Ball ins Aus rollen lassen wollte, sich Rangers-Stürmer Mols jedoch um den Stuttgarter drehte und den Ball eroberte. Anfangs wirkten die VfB-Spieler sehr nervös.

Nach einer Viertelstunde schien der VfB endgültig in der Champions League angekommen. Stefan Klos verhinderte die Führung für die Stuttgarter, als er gegen den frei vor ihm auftauchenden Hleb parierte. Kurz darauf hatten die Schwaben jedoch zweimal Glück – oder besser gesagt: Sie konnten sich wieder einmal auf Timo Hildebrand verlassen. Der in der Bundesliga noch unbezwungene Torhüter rettete innerhalb von einer Minute erst gegen Vanoli und dann gegen den frei vor ihm stehenden Arweladse.

Nach der Pause bestimmte der VfB sogar das Spiel. Doch weil das Team seine Überlegenheit nicht zu einem zweiten, entscheidenden Tor nutzte, kämpften sich die Rangers zurück. Eine Viertelstunde vor Schluss erzielte Christian Nerlinger per Abstauber das 1:1, und kurz darauf traf der eingewechselte Peter Lövenkrands zum 2:1. Bordon hatte den Ball so abgefälscht, dass nicht mal Hildebrand etwas ausrichten konnte.

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