Sport : Eine andere Welt

Alba Berlin muss in Siena erneut erkennen, dass Siege in der Bundesliga nicht aussagekräftig sind

Helen Ruwald

Berlin - Dass Henning Harnisch sich am Wochenende, dem achten Spieltag der Basketball-Bundesliga, in der Max- Schmeling-Halle aufhalten wird, ist unwahrscheinlich. Alba Berlin hat das Spiel gegen die Paderborn Baskets vorverlegt und bereits gewonnen. Die Max-Schmeling-Halle ist am Sonnabend und Sonntag anderweitig vergeben. „Das Berliner Militärmusikfest scheint wichtiger zu sein“, sagt Teammanager Harnisch. „Dass wir Mittwoch-Freitag-Montag spielen mussten, war nicht sehr günstig.“ Gegen Paderborn und in Gießen siegte Alba, doch bei Montepaschi Siena gab es zum Uleb-Cup-Auftakt eine 63:79 (38:30)Niederlage. Das Militärmusikfest als Grund für die Niederlage? So weit will Harnisch nicht gehen. „Das hat nicht den Ausschlag gegeben.“ Aber eben die Vorbereitung gestört.

22 Ballverluste und, wieder einmal, fehlende Konstanz waren entscheidend. 28:11 gewann Siena das dritte Viertel. „Mit so einer zweiten Halbzeit kann man nicht gewinnen“, sagt Trainer Henrik Rödl. Mit so einer ersten Halbzeit freilich schon, weshalb die Berliner enttäuscht, aber nicht völlig demoralisiert die Toskana verließen.

„Die erste Halbzeit hat gezeigt, dass wir auf diesem Niveau spielen können“, sagt Harnisch. „Aber so muss man 40 Minuten spielen“ – und nicht nur 20. Letztlich steht das zu Buche, woran Alba sich in den letzten Jahren schon gewöhnen musste: Eine Niederlage im Uleb-Cup. In der vergangenen Saison gewann Alba drei von zehn internationalen Spielen, im Jahr zuvor vier. Wobei ein Misserfolg in Siena nicht unerwartet kommt, „die sind ja nicht ohne“ (Harnisch). Grund zur Analyse gibt aber der Leistungseinbruch nach der Pause. Dem Selbstbewusstsein folgte Hilflosigkeit, einer starken Defensivleistung 28 Punkte des Gegners zwischen Minute 21 und 30.

„Es ist nicht so, dass wir keine Gegenwehr mehr geleistet haben, aber wenn man einen starken Gegner hat, der aus allen Lagen schießt, muss man noch einen drauflegen“, sagt Harnisch. Das gelang gegen die immer treffsichereren Gastgeber nicht. Nicht nur die Mannschaft zeigte zwei Gesichter, sondern auch einzelne Spieler. William Avery überzeugte vor der Pause als Spielgestalter und machte 13 seiner 20 Punkte, doch später entglitt ihm das Spiel zusehends. Chris Owens (12 Punkte/12 Rebounds) verwandelte nur fünf seiner zwölf Freiwürfe und trug entscheidend zur Freiwurfquote von 50 Prozent bei.

In der Bundesliga hat Alba zuletzt sechsmal gewonnen, doch vier der Besiegten liegen auf den Plätzen 14 bis 17 der Tabelle, die anderen beiden sind nur unwesentlich besser platziert. Dass Bundesliga und Uleb-Cup verschiedene Welten sind, bekam auch Sharrod Ford zu spüren. Der Flügelspieler, der für Alba erstmals international spielberechtigt war, hatte zuletzt mit spektakulären Dunkings begeistert. In Siena fand er gar nicht ins Spiel und war nach dem vierten Foul lange nur Zuschauer.

Besser machen kann er es nächsten Dienstag im schon richtungsweisenden Spiel gegen Lukoil Academic Sofia. Die Bulgaren zählen im Gegensatz zu Siena, Chimki (Russland) und Jerusalem nicht zu den Favoriten der Gruppe C, wurden aber in der Vorsaison in Albas Gruppe Zweiter. Sie besiegten die Berliner in Sofia 108:88, im Rückspiel setzte sich Alba 78:74 durch. „Wir brennen auf Sofia“, sagt Harnisch. Die Vorbereitung wird auch nicht durch ein Bundesligaspiel gestört, dem Militärmusikfest sei Dank.

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