Sport : Eine Art Bewerbung

Trainer Friedhelm Funkel deutet erstmals an, dass er auch nach dem Abstieg bei Hertha BSC bleiben könnte

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Blick in die Zukunft. Funkel hat keine Dünkel vor der Zweiten Liga. Foto: Reuters
Blick in die Zukunft. Funkel hat keine Dünkel vor der Zweiten Liga. Foto: ReutersFoto: Reuters

Berlin - Zeiten der Krise sind im Fußball immer auch Zeiten der höheren Mathematik. Was passiert, wenn …? Wie oft muss ich gewinnen, damit …? Wie viele Punkte sind nötig, um den Verbleib in der Bundesliga noch zu schaffen? „Neun brauchst du“, sagte Arne Friedrich, der Kapitän von Hertha BSC. Neun aus drei Spielen. „Alles andere ist Schönmalerei.“ Neun, sagt auch Friedhelm Funkel, der Trainer des Berliner Fußball-Bundesligisten, unter Umständen acht. Wer weiß schon, wie die Konkurrenten spielen? Das mit den acht Punkten wird angesichts der international üblichen Regeln (drei Punkte für einen Sieg, einen für ein Unentschieden) auch mathematisch schwierig bis aussichtslos.

Am Ende gehen eben nicht alle Rechnungen auf, das gilt auch für eine andere Gleichung, an deren Gültigkeit bisher niemand gezweifelt hat: Schafft Hertha den Klassenerhalt, bleibt Friedhelm Funkel auch in der kommenden Saison Trainer. Das ist vertraglich so geregelt. Steigen die Berliner ab, müssen sie sich einen neuen Vorturner für ihre Mannschaft besorgen. Der Vertrag des Trainers gilt nur für die Erste Liga, und dass er im Abstiegsfall einen neuen vorgelegt bekommt, hat selbst Funkel in der vergangenen Woche nahezu ausgeschlossen. In der Zweiten Liga werde er wohl eher nicht bleiben. Daraus sprach auch die Erkenntnis, dass er dem Publikum als Abstiegstrainer kaum noch zu vermitteln wäre. Inzwischen aber scheint sich das zu ändern.

Der Fernsehmoderator Johannes B. Kerner, seit seiner Jugend Hertha-Fan, hat sich am Sonntag als Erster öffentlich für einen Verbleib Funkels ausgesprochen – weil er, unabhängig vom Tabellenplatz, gute Arbeit leiste. Diese Ansicht vertritt auch Herthas Manager Michael Preetz, der zuletzt immer wieder auf die fußballerischen Fortschritte der Mannschaft verwiesen hat. Preetz hat Funkel stets gestützt, auch als aus Herthas Präsidium in diesem Frühjahr Stimmen nach dessen Ablösung laut wurden.

Das Präsidium ist nie von Funkel begeistert gewesen. Es hat schon im Herbst einen glamouröseren Trainer als Nachfolger von Lucien Favre favorisiert. Eine Weiterbeschäftigung Funkels nach dem Abstieg wäre daher nur gegen große Widerstände des Gremiums durchzusetzen. Das Präsidium wünscht sich einen Trainer, dessen Name in dunkler Zeit ein bisschen leuchtet, der für Aufbruch steht und für den Anspruch, möglichst schnell wieder erstklassig zu werden. Die Frage ist, inwieweit Preetz als Verantwortlicher für den sportlichen Bereich auf derlei Wünsche eingehen muss. Präsident Werner Gegenbauer legt großen Wert auf Einhaltung der Kompetenzen. Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass der Manager nur die Vorstellungen des Präsidiums vollstrecken darf.

Öffentlich will sich Preetz nicht zu den Szenarien für den Fall des Abstiegs äußern. Auch für Funkel ist die Debatte „überhaupt kein Thema“, seine berufliche Zukunft hält er für „völlig uninteressant“. Und dann weist er explizit darauf hin, ihn genau zu zitieren und seine Aussagen nicht in einen falschen Zusammenhang zu stellen: „Wenn man meine Vergangenheit ein bisschen verfolgt hat, weiß man, dass ich schon in der Zweiten Liga gearbeitet habe.“ Dünkel, das will er wohl sagen, besitzt er in dieser Hinsicht nicht. Erste oder Zweite Liga? „Das macht für mich keinen Unterschied“, sagt Funkel. Schließlich hat er Uerdingen, Duisburg, Köln und Frankfurt auch in der Zweitklassigkeit betreut, insgesamt fünf Jahre lang. „In fünf Jahren bin ich fünf Mal aufgestiegen“, sagt er. „Mehr geht nicht.“ Man darf das durchaus als Bewerbung verstehen.

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