Sport : Eine Autobombe gegen Olympia Anschlag gefährdet Madrids Bewerbung

Julia Macher[Madrid]

Um 19:03 am Samstag erschütterte ein Knall Madrids Olympiahoffnungen. Auf einem Parkplatz vor dem Stadion „La Peineta“, in dem nach dem Willen der sportbegeisterten Madrilenen 2012 die Eröffnungsfeier stattfinden sollte, explodierte eine Autobombe. Kurz zuvor hatte die baskische Untergrundorganisation ETA das Attentat angekündigt. Verletzte gab es keine, der Sachschaden ist gering. Tief getroffen hat der bereits vierte Anschlag dieses Jahres die Madrilenen dennoch: Schließlich könnten Zeitpunkt und Ort kaum prekärer sein. Am 6. Juli fällt das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Entscheidung über den Austragungsort der Olympischen Spiele 2012. Das Stadion „La Peineta“ ist Symbol der Kandidatur der spanischen Hauptstadt.

136 Millionen Euro kostet der Umbau des Stadions die Stadt. Viele Olympiabegeisterte ließen sich zuletzt vor dem Betonbau ablichten. Dass ausgerechnet hier die 20 Kilogramm schwere Bombe explodierte, beweist das Kalkül der ETA: Sie hofft, mit Sicherheitsbedenken die Kandidatur der verhassten Hauptstadt torpedieren zu können. Der Anschlag wiegt umso schwerer, als das Innenministerium bereits seit Monaten mit einem Attentat auf Olympiabauten rechnen musste. Im April hatte die Polizei beim mutmaßlichen internationalen Chef der ETA, Peio Eskisabel, Notizen über Madrider Sporteinrichtungen gefunden.

Ein Mitglied der städtischen Olympiakommission sagte resigniert: „Das war’s, jetzt können wir nichts mehr tun.“ Dabei hatte sich Madrid bis zuletzt seinen Optimismus bewahrt, nachdem es bei der Bewertung des IOC hinter den Favoriten Paris und London gelandet war. Die fehlenden Hotelkapazitäten – während Paris über 140 000 Betten verfügt, bringt es Madrid nur auf 43 000 – würden nicht so sehr ins Gewicht fallen, hofften Regierung und Medien. Schließlich erhalte die olympische Idee nirgends so viel Rückhalt wie in Madrid. 80 Prozent der Hauptstädter unterstützen die Kandidatur.

Den olympiabegeisterten Madrilenen, die schon seit Monaten klaglos den Lärm von 80 Großbaustellen ertragen, bleibt nicht viel mehr übrig, als sich an den Worten des IOC-Präsidenten Jacques Rogge festzuklammern. „Terrorismus ist ein weltweites Problem und kann deshalb nicht das Hauptkriterium unserer Entscheidung sein“, sagte er vor wenigen Tagen der Tageszeitung „El Mundo“. Das war allerdings vor dem Anschlag.

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