Eine Baseball-Analyse : Das perfekte Spiel

Mark Buehrle von den Chicago White Sox gelingt beim 5:0-Sieg gegen die Tampa Bay Rays das 18. Perfect Game in der 132-jährigen Geschichte der Major League Baseball - und macht damit auch Barack Obama glücklich.

Jörg Leopold
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Star und Sohn. Mark Buehrle ist der perfekte Pitcher - und ein bodenständiger Familienvater.Foto: Getty

Von einem perfekten Spiel träumen Trainer und Athleten in allen Sportarten. Machbar ist es nur in den wenigsten und über die Messbarkeit kann man trefflich streiten. Nicht so im Baseball. Hier ist das „Perfekte Spiel“ genau definiert. Es gilt, nicht nur das gegnerische Team Zu-Null zu besiegen, sondern dabei auch noch alle Schlagmänner auszumachen. 27 an der Zahl, nacheinander und ausnahmslos. In die Geschichtsbücher ein geht nach dem Spiel jedoch nur der Pitcher der siegreichen Mannschaft. Ihm gebührt die Anerkennung, er ist der Held. Ein solcher Ausnahmekönner ist nun auch der 30-Jährige Mark Buehrle von den Chicago White Sox. Er besiegte am Donnerstagabend vor 28.036 Zuschauern im heimischen U.S. Cellular Field Vizemeister Tampa Bay Rays praktisch im Alleingang mit 5:0 und warf dabei fehlerfrei – oder anders ausgedrückt „perfekt“.

In der langen, inzwischen 132-jährigen Geschichte der Major League Baseball mit ihren Aberzehntausenden von Spielen war es erst das 18. „Perfect Game“ überhaupt. Am 12. Juni 1880 glückte Lee Richmond von den Worcester Ruby Legs das Kunststück als erstem Werfer. Vor Buehrle hatte Randy Johnson vor über fünf Jahren für die Arizona Diamondbacks als Letzter das so schwer Mögliche geschafft. „Richtig fassen kann ich es noch gar nicht“, sagte der Linkshänder kurz nach dem Spiel. Vielleicht auch, weil der Traum von der Perfektion beinahe noch geplatzt wäre. Im letzten Inning fischte Centerfielder DeWayne Wise einen von Tampas Angreifer Gabe Kapler geschlagenen Ball mit letztem Einsatz für seinen Teamkollegen aus der Luft. „Mir war klar, dass die Jungs alles dafür tun würden, um mir die Chance auf das Perfect Game zu erhalten“, bedankte sich Buehrle später artig.

Schon einmal war der bodenständige Familienvater aus St. Charles Missouri ganz nah dran an einem perfekten Spiel. Im April 2007 ließ er im Duell mit den Texas Rangers nur einen Gegner durch einen Freilauf auf die erste Base kommen – weiter allerdings nicht. Dieser so genannte „No-Hitter“, ebenfalls eine Rarität im Baseball, wurde seinerzeit schon groß gefeiert. „Damals habe ich jedem Mitspieler eine Uhr gekauft“, erinnerte sich Buehrle jetzt, nur um dann lachend zu ergänzen: „Diesmal wird es wahrscheinlich noch teurer.“

Finanzielle Sorgen muss er sich deswegen allerdings nicht machen. Als er 2007 seinen Vertrag bei den White Sox um vier Jahre verlängerte, war das seinem Arbeitgeber stolze 56 Millionen Dollar wert. Kein Wunder, dass er da schon mal ans Karriereende denkt. 2011 soll mit 32 Jahren Schluss sein. Dann hätte Buehrle endlich mehr Zeit für seine Familie und die riesige Farm in Bowling Green/Missouri. Erreicht hat er ohnehin schon alles: 2005 gewann er mit den White Sox den World Series-Titel. Hinzu kommen vier Allstar-Nominierungen und über 130 Siege in seiner Karriere als Starting Pitcher. Und nun darf er sich dank des perfekten Spiels auch noch über das ultimative individuelle Highlight freuen.

Einer der ersten Gratulanten war anschließend Barack Obama. Der US-Präsident und bekennende White-Sox-Fan übermittelte Mark Buehrle seine Glückwünsche per Telefon kurz nach dem Spiel direkt ins Clubhouse. Die Euphorie ist verständlich: das bisher einzige Perfect Game in der Geschichte des Klubs datiert vom 30. April 1922. Angesichts dessen rücken selbst für den mächtigsten Mann der Welt alle politischen Fragen ausnahmsweise für kurze Zeit in den Hintergrund.

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