Sport : Eine Beförderung aus Versehen Torwart Drobny spielt nur, weil Rost nicht kann

Hamburger Ersatz. Jaroslav Drobny darf sich beim HSV bewähren. Foto: dpa
Hamburger Ersatz. Jaroslav Drobny darf sich beim HSV bewähren. Foto: dpaFoto: dpa

Hamburg - Für einen Augenblick war es wie im Frühjahr 2009, als Jaroslav Drobny beinahe Deutscher Meister geworden wäre. Ausverkauftes Stadion, es geht gegen die Bayern, und wieder bekommen sie kaum etwas zustande gegen ihn. Vor eineinhalb Jahren hat Drobny noch für Hertha BSC gespielt, und der Berliner Sieg über die Münchner war so etwas wie die Initialzündung für den unverhofften Aufschwung einer Mannschaft, der niemand etwas zugetraut hätte. Der Torhüter Drobny war einer der Stars dieser Mannschaft, aber über diese Zeit redet er nicht mehr gern. Vorbei und vergessen, „ich schaue nur in die Zukunft“, aber auch die sah zuletzt nicht besonders gut aus. Am Freitag hat der Tscheche 48 Minuten lang sein erstes Pflichtspiel für den Hamburger SV bestritten, alles richtig gemacht und kein Tor zugelassen. Heute steht er im Pokalspiel bei Eintracht Frankfurt zum ersten Mal in der Startelf. Und das auch nur – nach bald fünf Monaten in Hamburger Diensten –, weil Stammtorhüter Frank Rost verletzt passen muss. Jaroslav Drobny hat es in Hamburg nur zum Ersatzmann gebracht.

Er hatte sich das alles ein wenig anders vorgestellt, nach dem missratenen Ende einer so gut begonnenen Zeit in Berlin. Hertha hätte mit Drobny gern den Wiederaufstieg in Angriff genommen, aber der stolze Tscheche mochte es dem Verein nicht durchgehen lassen, dass er ihm zu Beginn der vergangenen Saison eine nicht konkurrenzfähige Mannschaft zusammengestellt und damit den Abstieg in Kauf genommen hatte. Bei Hertha war er zum Nationalspieler aufgestiegen, Hamburg sollte der nächste Karriereschritt sein. Drobny wähnte sich im Vorteil gegenüber dem in der Vergangenheit häufiger schwächelnden Rost, der mit seinen 37 Jahren vor dem Ende seiner Karriere zu stehen schien. Dabei aber dürfte Drobny übersehen haben, über welche Hausmacht Rost in Klub und Mannschaft noch verfügt. Diesen Faktor hatte wohl auch Trainer Armin Veh falsch eingeschätzt, als er vor ein paar Wochen eine Rotation im Tor ankündigte mit der Begründung, er habe „zwei Torhüter auf Augenhöhe“. Doch Frank Rost hat seit seinem Wechsel von Schalke 04 zum HSV im Winter 2007 alle 126 Punktspielen absolviert, und er ließ den Trainer wissen, dass er diese Serie fortzusetzen gedenke, da wollte plötzlich auch Veh nichts mehr wissen von einer Rotation.

Ein Bänderanriss in Rosts rechtem Knie hat diese Serie nun beendet. Folglich hütet Drobny auch in den kommenden Bundesligaspielen gegen den 1. FC Köln und 1899 Hoffenheim das Tor, aber mit einer innerbetrieblichen Beförderung auf Dauer hat das nichts zu tun. Armin Veh hat gleich nach dem Spiel gegen die Bayern klargestellt, dass „Frank Rost unsere Nummer eins ist“. Drobny bleibt nur die Chance, so viel wie möglich richtig zu machen. „Ich muss gut halten“, sagt der 31-Jährige und dass er natürlich enttäuscht gewesen sei über seine zu Saisonbeginn erfolgte Versetzung auf die Bank, „aber das war die Entscheidung des Trainers, und die akzeptiere ich“. Gegen die Bayern ließ er sich jedenfalls nichts zuschulden kommen. Ohne jede Spielpraxis fand Drobny sich sofort zurecht, dirigierte seine Abwehr und verdarb den Bayern mit seiner Präsenz und Übersicht die fest eingeplante Aufholjagd in Richtung Tabellenspitze. Wie damals, im Frühjahr 2009, als Jaroslav Drobny mit Hertha BSC beinahe Deutscher Meister geworden wäre. Tsp

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