Eine Box-Legende wird 70 : "Ali hat die Welt ein bisschen besser gemacht"
17.01.2012 09:57 Uhr- "Ich bin nicht der Größte, ich bin der Doppel-Größte! Ich knocke sie nicht nur aus, sondern sage auch noch die Runde voraus." - Das Bild zeigt Muhammad Ali nach seinem Sieg über... - Foto: AFP
- "Es ist nur ein Job. Gras wächst, Vögel fliegen, Wellen schlagen in den Sand. Ich verprügle andere Leute." - Auf diesem Bild von 1964 nahm sich Ali die Beatles vor. - Foto: dapd
- "Ist das alles, George?" - Ali während des legendären Rumble in the Jungle 1974 in Kinshasa. - Foto: dpa
Herr Reemtsma, am Dienstag wird Muhammad Ali 70 Jahre alt. Gibt es Grund zum Feiern?
Aber selbstverständlich, warum denn nicht? So etwas macht man doch an Geburtstagen, erst recht an runden.
Es geht ihm gesundheitlich nicht besonders gut. Das war zuletzt bei der Beerdigung seines alten Rivalen Joe Frazier zu sehen.
Sie können ein Boxerleben mit so schweren Treffern nicht durchstehen ohne Folgeschäden. Wir können nicht wissen, was auf das Konto seiner Parkinson-Erkrankung geht und was die neurologische Folge von zu vielen Kopftreffern ist. Ohne Folgeschäden ist es bei Ali nicht geblieben.
Das ist der Preis, den er zahlen muss.
Wen werden Sie zum 70. Geburtstag feiern?
Einen der interessantesten Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts, einen Ausnahmeboxer, wie es so keinen mehr gegeben hat und vielleicht so nicht mehr geben wird. Und eine Figur, die politisch hochinteressant war. Muhammad Ali hat die Welt ein bisschen besser gemacht. Und wenn man das von einem Menschen sagen kann, ist doch wohl alles in Ordnung.
Sie haben 1995 ein Buch über Ali geschrieben. Darin heißt es, es gebe nicht nur einen Ali, sondern mehrere. Welcher ist Ihr Lieblings-Ali?
Oh, das ist schwer. Sehr interessant ist natürlich die historische Figur, die man in ihrer politischen Bedeutung sehen kann bis hin zur Entzündung der Olympischen Flamme 1996 in Atlanta, das ist ja ein Echo auf diese öffentliche Rolle, in die er hineingewachsen ist. Aber mein Herz schlägt, wenn ich das so sagen darf, für den Virtuosen im Boxring, dem es gelungen ist, einem an sich nicht sehr diffizilen Sport eine so eigene Note zu geben, dass auch so gewalttätige Auseinandersetzungen auf einmal Schönheit gewinnen. Alis Kämpfe haben eine eigene Choreographie, und das habe ich immer mit großem Genuss gesehen. Ich zitiere Alexander Sutherland Neill, den Begründer der Summerhill-Pädagogik. Er sagt: „Boxen interessiert mich nicht, und wenn, dann bin ich für den Außenseiter. Mit Ausnahme von Muhammad Ali, dessen Stil ich nahezu poetisch finde.“
Was gefällt Ihnen an diesem Stil am besten?
Die Virtuosität und die Unberechenbarkeit. Die Fähigkeit, sich immer wieder neu auf eine bestimmte Situation oder einen bestimmten Gegner einzustellen. Man kann ihn nicht auf einen bestimmten Stil einengen.
Wann haben Sie Ali das erste Mal bewusst wahrgenommen?
Das war zur Zeit seines ersten Weltmeisterschaftskampfes, 1964 in Miami gegen Sonny Liston. Da war ich elf Jahre alt, und die Kämpfe liefen noch nicht im Fernsehen, aber ich habe in den Zeitungen von ihm gelesen. Er ist mir aufgefallen als jemand, der aus dem Rahmen fiel. Der sich nicht so benahm, wie man das erwartete von einem Sportler, schon gar nicht von einem schwarzen Sportler. Seitdem war mein Interesse da.









