Sport : Eine DJane in Athen

Ditte Kotzian verbindet Vergnügen und Sport

Friedhard Teuffel

Berlin - Wenn Ditte Kotzian mit ihren Kollegen aus der Nationalmannschaft im Wasserspringen unterwegs ist, dann wird ihr manchmal etwas langweilig. „Viele haben ihr Leben so auf den Sport ausgerichtet, das finde ich problematisch“, sagt sie. Über viel mehr als den Sport könne sie mit ihnen nicht reden. Zum Glück versteht sie sich gut mit ihrer Sportpartnerin Conny Schmalfuß. Im Synchronspringen werden die beiden gemeinsam bei den Olympischen Spielen starten, und wenn sich Ditte Kotzian an diesem Freitag auch noch im Einzel für das 3-Meter-Brett qualifizieren würde, hätte sie einen interessanten Beweis geliefert: Man muss sich nicht ganz auf den Sport konzentrieren, um Erfolg zu haben. „Es ist einfacher, wenn man etwas Schönes erlebt hat, was nicht mit Sport zu tun hat.“

Ditte Kotzian ist eine Metropolenbürgerin. Die 25- Jährige nutzt aus, was ihre Heimatstadt Berlin zu bieten hat. Oft geht sie am Wochenende in die Klubs der Stadt zum Tanzen, „am liebsten am Freitag. Dann hab ich noch das Wochenende zum Erholen und am Montag und Dienstag nur noch etwas schwere Beine“.

Manchmal verbringt sie auch eine Nacht in einem Klub, einer Bar oder auf einer Party und legt selber Platten auf, mal etwas ruhigere Musik zum Entspannen, aber auch Tanzbares, nur kein Techno. Sie hat sich für diese Tätigkeit den Namen „DJ Rubina Pink“ gegeben, weil ihr einmal eine alte Dame mit rubinrotem Schal und rotem Hut begegnet ist. „Das fand ich so cool, weil ich sowieso total auf Pink stehe.“

Bis zu den Olympischen Spielen wird sie aber keine Aufträge mehr als D-Jane annehmen. Denn so gern sie mit ihren Freunden um die Häuser zieht, so sehr möchte sie auch Erfolg haben im Wasserspringen. Außerdem studiert sie noch Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Marketing.

Die Balance zwischen Sport und erlebnisreicher Freizeit hat sie bisher ausgezeichnet gehalten. Sie hat gemeinsam mit Conny Schmalfuß bei der Weltmeisterschaft 2001 in Fukuoka die Bronzemedaille vom 3-Meter-Brett gewonnen, und bei der Europameisterschaft 2002 sind die beiden Erste vom Turm und vom 3-Meter-Brett geworden.

Ditte Kotzian sagt, sie habe das „Abenteuer-Gen“. Seit sie vierzehn Jahre alt ist, fährt sie Snowboard, und als in einem Trainingslager der Snowboardlehrer krank war, hat sie das Training übernommen, „ich bin zum Glück sehr geduldig“. Die Ablenkungen haben sie wohl auch deshalb nicht aus der Weltspitze fallen lassen, weil sie über genügend Selbstdisziplin verfügt. Wenn sie abends weggeht, dann raucht sie nicht und trinkt nur wenig Alkohol. Sie schafft trotzdem ihr Pensum von bis zu 20 000 Trainingssprüngen im Jahr. Und Ditte Kotzian liebt ihre Sportart. Diese Liebe hat sie erst in der Distanz gespürt, als sie mit 17 Jahren für ein Jahr nach England ging. „Davor war ich das DDR-System gewohnt mit viel Druck und viel Meckerei. In England habe ich mit meiner Trainerin viel geredet, nicht nur über Sport.“

Sie kam selbständiger und verantwortungsbewusster nach Deutschland zurück und genießt ihre Sprünge nun viel mehr. Wasserspringen ist eine sehr sinnliche Sportart. Ditte Kotzian spricht von „Sonne, Wasser, Fliegen“. Beim Springen müssen ihre Sinne scharf sein. „Ich muss alles reflektieren, wie weit ich vom Wasser weg bin und wie schnell ich bin.“

Die intensive Vorbereitung auf Athen verlangt ihr viel ab: „Ein halbes Jahr nur Springen, da kriege ich fast schon ’ne Macke.“ Wasserspringen ist ihr intensivstes Projekt, mehr nicht. „Alles andere ist krampfig. Wer fragt einen in zehn Jahren noch danach, ob man Weltmeister geworden ist?“ Sie wird in zehn Jahren dennoch einiges zu erzählen haben von ihrer sinnlichen Affäre Wasserspringen.

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