Sport : Eine Ehrennadel für Wassilew

Fans des 1. FC Union planen stilvollen Abschied vom Trainer

Karsten Doneck

Berlin. Georgi Wassilew, den am vergangenen Sonnabend fristlos gekündigten Trainer, einfach so weggehen zu lassen, ohne richtige Abschiedsfeier, ohne Ehrung – das widerstrebt vielen Fans des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union. Also wurden sie kreativ tätig. So erhielt Wassilew während der Woche unter seiner Privatnummer einen Anruf von Union-Anhängern. Die luden ihn ein, am Sonntag (15 Uhr, Alte Försterei) zum Spiel gegen Wacker Burghausen in den Fanblock zu kommen. Sogar eine Eintrittskarte sei für ihn schon besorgt. Wassilew soll dankend, aber sehr bestimmt abgelehnt haben. Aber so schnell gibt sich der Union–Fan nicht geschlagen: Eine kleine Delegation wird sich aufmachen, den Bulgaren zu Hause zu besuchen, um ihn doch noch umzustimmen.

Sollte Wassilew dem Ruf der Fans folgen, warten im Stadion einige Ehrungen auf ihn – keine offiziellen allerdings. So stellt ein Union-Mitglied sogar seine Vereins-Ehrennadel zur Verfügung, die dem Trainer in Anerkennung seiner Verdienste überreicht werden soll. Zudem soll Wassilew ein Union-Trikot geschenkt werden, auf dem sich zur Abwechslung nicht die Spieler, sondern die Fans mit Unterschriften verewigt haben.

Präsident Heiner Bertram wird sich damit begnügen, im Stadionprogramm noch einmal zur Trainerablösung Stellung zu beziehen. Den Trainer mit netten Worten zu verabschieden, ihm Dank zu sagen für Zweitliga-Aufstieg, Pokalfinal- und Uefa- Cup-Teilnahme, daran ist von Vereinsseite nicht gedacht. Zu verhärtet sind die Fronten. „Trainer, wir sind Ihnen nichts schuldig geblieben!“ schrieb Bertram gestern im Internet auf Unions Homepage an die Fans.

Wassilew hatte zur Saison 1999/2000 bei Union als Nachfolger von Fritz Fuchs angeheuert. Mit der Anstellung des Bulgaren überraschte Bertram seinerzeit so ziemlich jeden. Plant Union bei der Suche nach einem neuen Trainer jetzt einen ähnlichen Coup? „Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß“, sagt Bertram. „Die Namen der Kandidaten, die wir im Kopf haben, werden jedenfalls bislang in der Öffentlichkeit nicht gehandelt.“

Falko Götz wird definitiv nicht neuer Union-Trainer. „Beide Seiten haben davon Abstand genommen“, sagt Bertram. Gründe? „Wir passen nicht zusammen, was aber nichts mit dem Menschen Falko Götz oder dessen finanziellen Vorstellungen zu tun hat.“ Götz habe, heißt es bei Union, andere Vorstellungen, tendiere eher zu einem Job in der Bundesliga. Auch Stefan Kuntz (zuletzt Karlsruhe) zählt nicht mehr zum Kandidatenkreis.

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