Sport : Eine Eins für die Zwei

Beim 34:34 der Füchse in Hamburg wehrt Jens Vortmann den letzten Ball ab

Hartmut Moheit

Berlin - Für Jens Vortmann war gestern ein wichtiger Tag. Gegen Mittag stand für den Torhüter der Füchse Berlin im Rahmen seines Studiums der Luft- und Raumfahrt an der TU eine Mechanik-Klausur an, die ihm volle Konzentration abverlangte. „Nur durchkommen“, lautete die Devise des 21-Jährigen, der erst spät in der Nacht zum Donnerstag nach Hause gekommen war. In Hochstimmung, denn nur ein paar Stunden vorher hatte er bereits eine nicht weniger wichtige Prüfung glanzvoll bestanden: Beim überraschenden 34:34 der Füchse gegen den HSV Hamburg in dessen Arena war Vortmann letztlich der eine Punkt zu verdanken. Ab der 37. Minute hatte die eigentliche Nummer zwei im Tor hinter Petr Stochl gehalten, schließlich drei Sekunden vor Schluss die letzte HSV-Chance vereitelt.

„Stochl hatte in den ersten dreißig Minuten vielleicht vier Bälle abgewehrt“, begründet Füchse-Trainer Jörn-Uwe Lommel am Tag danach diesen Wechsel. Vortmann drückt alles ein wenig moderater, Stochl-freundlicher aus: „Er hat viel Pech gehabt, viele Bälle sind ihm von den Händen oder Füßen noch ins Tor gesprungen. Es gibt solche Tage, da klappt es einfach nicht.“ Zum Glück für die Füchse erwischte der Junioren-Europameister von 2006 und -Vizeweltmeister des Vorjahres einen besseren Tag. Es wurde auch Zeit, sein Talent in der bereits vierten Saison als Profi auch einmal in so einem schweren Spiel zu beweisen. Es ist längst bekannt, dass die Füchse den Magdeburger Silvio Heinevetter verpflichten wollen, dann käme plötzlich auf Vortmann die Position der Nummer drei zu. Aber der hat nun in Hamburg gezeigt, dass er bereit ist, um seine Position zu kämpfen. „Das ganze Team fightet doch super, da reißt einer den anderen mit“, sagt Vortmann, der dennoch Kapitän Stochl „nach wie vor im Vorteil“ sieht. Diesmal hatte sich Vortmann mit sieben Paraden eine Eins verdient.

Was bisher nach sieben Spielen der Füchse herausgekommen ist mit dem siebten Platz bei 10:6 Punkten, bleibt nicht ohne Wirkung. „Früher haben sich die Mannschaften doch gefreut, dass wir kommen. Heute ist selbst so ein Team wie der THW Kiel gewarnt“, sagt Jörn-Uwe Lommel. Auch der Titelverteidiger, bei dem die Füchse am kommenden Dienstag antreten werden, wird registriert haben, dass die Berliner kurz vor Schluss in Hamburg noch mit drei Toren zurücklagen und dennoch einen Punkt geholt haben. Obwohl der Spielmacher und bis dahin beste Füchse-Werfer Kjetil Strand wegen eines Hämatoms im Trizeps nicht spielen konnte. Bartlomiej Jaszka hat ihn sehr gut ersetzt. Nicht nur, weil er neun Sekunden vor Schluss das Ausgleichstor warf.

„Wir haben dieses Unentschieden bei dieser Top-Mannschaft erreicht, ohne auf allen Positionen mit Bestform zu glänzen“, sagt Lommel. Dass aber Rico Göde am Kreis und in der Deckungsmitte „langsam seinen Fingerbruch von vor ein paar Wochen aus dem Kopf bekommt“, hat er mit großer Erleichterung beobachtet. Lommel spricht von einem „Riesenschritt im Vergleich zum Vorjahr“ – Jens Vortmanns Entwicklung inbegriffen.

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