Sport : Eine Eins

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Von Hartmut Moheit

Berlin. Die Schreckens-Nachricht für die Gegner von Ferrari verbreitete Ross Brawn: „Wenn Michael Schumacher den fünften WM-Titel sicher hat, dann wird er um den sechsten kämpfen.“ Die Formel-1-Szene muss damit fertig werden, denn schließlich läuft Schumachers Vertrag mit Ferrari zunächst bis 2004. Wenn jedoch der in Rot gewandete Rennstratege aus England in seiner Rolle als Technischer Direktor - trotz der Dominanz in dieser Saison - diese Aussage jetzt trifft, klingt das wie eine Drohung. Es ist ein Signal dafür, dass Ferrari nicht gewillt ist, sich auf den Erfolgen auszuruhen. Im Gegenteil, der Hunger nach Siegen scheint grenzenlos zu sein. „Jetzt ernten wir die Früchte unserer harten Arbeit in den vergangenen Jahren“, sagt Michael Schumacher.

Allein schon deshalb würde der im Schweizer Vufflens lebende Deutsche nicht in ein anderes Team wechseln und das von ihm entwickelte System der Präzision, Zuverlässigkeit und Harmonie einem anderen überlassen, um woanders wieder von vorn anzufangen. Mit Schumacher hält erstmals in der Ferrari-Geschichte ein Fahrer die Fäden in den Händen. Wie es war, bevor Schumacher 1996 als zweimaliger Weltmeister von Benetton kam, beschreibt der Ex-Weltmeister und langjährige Ferrari-Berater Niki Lauda: „Ferrari war ein Tollhaus der Politik. Da konnte der beste Mann scheitern, der dafür kein Gespür hatte.“ Aber längst ist aus dem lahmen Gaul im Firmenlogo wieder ein springendes Pferd geworden. Mittlerweile stellt sich die Situation in der Formel 1 wie das Hase-und-Igel-Spiel dar. „Bin schon da“, könnte es jedesmal heißen. Wenn ein Team etwas Neues gefunden hat und damit den Rückstand verkürzen könnte – ist Ferrari bereits eine Stufe weiter. „Wenn der Klassenbeste auch noch am meisten lernt, schreibt er automatisch eine Eins“, formulierte Mercedes-Sportchef Norbert Haug in „auto, motor und sport“. Und neidlos fügte er hinzu: „Michael bekommt das, was er verdient hat.“

Die Konkurrenten liegen nicht auf der faulen Haut. Aber der Erfolg von Ferrari hat seine Grundlage im Gesamtpaket, das der akribische Arbeiter Michael Schumacher, die Strategen und persönlichen Freunde von ihm, Ross Brawn und Jean Todt, sowie der „Ferrari lebende“ Präsident Luca di Montezemolo geschnürt haben. Dass dabei so manches Gebaren, wie die 99,9-prozentige Fokussierung auf Michael Schumacher (Beispiel: die Stallorder beim Österreich-GrandPrix), auf heftige Kritik stößt, wird hingenommen. Nach dem Nürburgring-Rennen, wo die interne Ferrari-Regie Rubens Barrichello den Erfolg ermöglichte, schrieb „Le Figaro“: „Die Philosophie gefällt den einen, die anderen lehnen sie ab. Die Klasse dieser Scuderia hatten aber bisher nur wenige Ställe.“ Wer meint, dass Michael Schumacher als Inhaber fast aller Formel-1-Rekorde auch nur einen Schritt kürzer treten würde, der irrt. „Mich interessieren Statistiken nicht“, sagt Schumacher, „mich interessieren Siege.“

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