Sport : Eine Erfolgsstory auf sandigem Untergrund

ERNST PODESWA

BERLIN ."Wir haben in fünf Jahren das Preisgeld um 500 Prozent anheben können", sagt Frank Mackerodt.Kühl und nüchtern ist die Stimmlage des Hamburgers.Ohne den geringsten Unterton von selbstgefälliger Wichtigkeit.Obwohl er Anlaß dazu hätte.

Denn der 35jährige hat 1993 nach dem Ende seiner Volleyball-Karriere auf das richtige Pferd gesetzt: Gründung einer Sport-Marketing-Agentur mit drei Leuten.Hauptfeld Beachvolleyball.Heute beschäftigt er mehr als 30 Angestellte, die sich den Fun-Sportarten (Windsurfen, Inline-Skating, Snowboard sowie Hamburg-Marathon) widmen.Und im Beachvolleyball hat er die Liptonice-Mastersserie zur finanziell lukrativsten nationalen Beachserie hinter der US-Tour aufgebaut.Von Hamburg bis Timmendorfer Strand werden auf neun Stationen insgesamt 520 000 DM Preisgeld ausgeschüttet.Das Turnierbudget beträgt jeweils 200 000 DM.Der Titelsponsor spendiert pro Wettbewerb 3000 Dosen seines Getränks an Spieler und Helfer.Der Bekleidungssponsor liefert kostenlos insgesamt 4000 ärmellose Spielertrikots, die meist bei den Fans auf den Tribünen landen.Jährlich mehr als 210 000 Zuschauer lassen sich in Großstädten oder an Nord- und Ostsee vom sportlichen Spektakel im Sand anlocken.Bei freiem Eintritt und Diskosound.Für die seriöse Arbeit Mackerodts spricht auch, daß alle Hauptsponsoren der Serie nach wie vor die Treue halten.

Fünf Jahre hat es gewaltig geboomt.Wie aber geht es weiter mit Beachvolleyball in Deutschland? "Natürlich sind solche Zuwächse und Sprünge nicht mehr zu erwarten", sagt Stefan Pomerenke, mit seinem Berliner Partner Sven Anton eines der besten Paare landesweit."Beachvolleyball liegt im Trend und steht auch sportlich besser da als unsere Hallenauswahlteams.Es bestehen gute Aussichten, nicht nur mit einem Duo bei den Spielen in Sydney dabei zu sein", verbreitet Werner von Moltke Zuversicht.Der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes annonciert für März 1999 die Installation einer festen Bundestrainer-Stelle Beachvolleyball.Bisher erledigten dies Burkhard Sude und nun Leif Andersson teilbeschäftigt.Und der ehemalige Zehnkampf-Europameister verspricht den Aufbau von Strukturen, um die international etwas schwächeren Männer näher an die Spitze heranzuführen und jungen Spielern Entwicklungsmöglichkeiten einzuräumen: "Ich könnte mir eine Beach-Bundesliga vorstellen, separate Beachvereine (gibt es schon/d.A.) und sogar einen eigenen Verband mit einem Präsidenten Mackerodt."

Das möchte der aber nicht: "Wir sollten im Volleyball-Verband bleiben, und Präsident werde ich garantiert nie." Es wäre wichtig Beachvolleyball als Breitensport auszuweiten, denn der Boom müsse auf solidem Boden verankert sein.Der künftige Stellenwert der Sportart hänge auch von den internationalen Ergebnissen ab, von der Teilnahme an den Olympischen Spielen und "nicht zuletzt vom Interesse des Fernsehens." Die Rechte liegen für drei Jahre bei ZDF/ARD.Bei denen hat sich jetzt das private DSF für 30minütige Nachberichte vom Weltturnier von Freitag bis Sonntag auf dem Berliner Schloßplatz sowie bei allen restlichen Masters eingekauft."Die Sache sieht gut aus", meint Mackerodt und verzieht keine Miene.Norddeutsche Coolness halt.

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