Sport : Eine Flugshow schockt die Konkurrenz

Hambüchen erreicht Weltrekord am Reck

Frank Bachner

Berlin - Andreas Hirsch hat die Übung auf Video, er wird sie in Kürze genau auswerten. Es geht bloß noch um Details, um Kleinigkeiten, die Fabian Hambüchen noch verbessern könnte. Viel wird Hirsch, der Chef-Bundestrainer der deutschen Turner, nicht finden. Hambüchen, der Reck-Weltmeister, hat am Samstag in Singen beim Länderkampf gegen Rumänien und die Schweiz am Reck 16,35 Punkte erreicht. Das ist inoffizieller Weltrekord, sein Ausgangswert lag bei 7,3.

Diese 7,3 sind das Maximum. „Technisch schwieriger geht’s insgesamt nicht“, sagt Hirsch. Also geht es jetzt um Verbindungsteile. Die bringen Bonuspunkte, wenn sie optimal geturnt werden. Oder es geht um einen fehlerfreien Abgang. In Singen hatte Hambüchen einen kleinen Hüpfer. Aber damit jedem klar wird, was ein kleiner Hüpfer nach einer fast 60 Sekunden langen Übung auf höchstem Niveau bedeutet, erzählt Hirsch einen netten Vergleich: „Wenn ein 400 Meter-Läufer völlig übersäuert im Ziel ist, geht der in die Knie. Wir aber müssen optimal zum Stehen kommen.“

Hambüchen hat noch zulegt gegenüber der WM, bei der er Gold am Reck gewonnen hatte. Da lag sein Ausgangswert noch bei 7,0. „Aber diese Steigerung war ja unser Ziel“, sagt Hirsch. Deshalb wurde er auch nicht überrascht von Hambüchen Leistung. Im Mehrkampf kam Hambüchen in Singen auf 92,90 Punkte, das drittbeste Resultat seiner Karriere. Dazu kamen noch Top-Ergebnisse am Barren (15,70), beim Sprung (16,25) und am Boden (15,85). Am Seitpferd freilich fehlte ihm dann die Kraft (13,80). Er hatte enormen Anteil am Sieg der Deutschen (365,00 Punkte) vor Rumänien und der Schweiz.

Hambüchens 16,35 Punkte vom Reck aber waren vor allem eine Botschaft an den Rest der Turn-Welt. „Wenn die anderen Nationen sehen, dass Fabian topfit ist, soll es mir recht sein“, sagt Hirsch. Er analysiert ja selber sehr genau die Ergebnisse der anderen. Die US-Amerikaner zum Beispiel, die gerade ihre Trials haben. Die haben auch starke Noten, nur kommt’s aufs Detail an. Liegt ihre Stärke in der A-Note, dem technischen und unbeeinflussbaren Wert? Oder in der B-Note, in die der Eindruck der Kampfrichter einfließt? „Bei der B-Note kann man das damit erklären, dass US-Kampfrichter werten, da liegt dieser Wert natürlich hoch“, sagt Hirsch.

Bei Hambüchen liegt der A-Wert bei 7,3, das ist sehr hoch. Wenn er absolut fehlerfrei geturnt und die Kampfrichter ihre maximale Punktzahl gegeben hätten, dann hätte er 17,30 erreicht. Gewertet wurde er mit 16,35. So viel zur Weltklasseleistung des 20-Jährigen aus Wetzlar.

Dabei hatte er vor einigen Wochen eine Handverletzung, aber Hirsch sagt bloß: na und? Andere Athleten haben auch Probleme, da soll man bloß kein Brimborium machen. Bei dem Thema wird Hirsch ziemlich deutlich. Das Training war etwas eingeschränkt? Und? Da muss man halt darauf reagieren. Und damit auch jeder Laie sofort begreift, dass so etwas Routine ist, greift er wieder zu einem Bild: „Das ist wie bei einem Bergsteiger an der Wand, wenn ein Wetterumsturz kommt. Dann sucht man eben eine neue Route.“ Ganz einfach.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben