Sport : Eine Frage der Absicht

Hellmut Krug

Im Spiel Deutschland – Italien zog der Italiener Andrea Pirlo nach einem Kopfball von Michael Ballack seinen rechten Oberarm hoch. Pirlo stand rund einen Meter vor Ballack. Der Ball landete auf Pirlos Oberarm, der Schiedsrichter ließ weiterspielen. War es absichtliches Handspiel, Herr Krug?

Meiner Ansicht nach lag kein absichtliches Handspiel vor, weil Pirlo viel zu nahe an Ballack stand, um in Reaktion auf den Ball den Arm nach oben zu nehmen. Beim Handspiel lautet die entscheidende Frage stets: Liegt Absicht vor? Grätscht ein Spieler mit hoch erhobenen Händen in eine Flanke und bekommt den Ball an die Hand, dann steckt Absicht dahinter. Das ist für den Abwehrspieler eine unnatürliche Körperhaltung. Dann ist auch unerheblich, aus welcher Entfernung der Ball an die Hand prallt. Schwieriger wird es, wenn ein Spieler sein Gesicht oder seinen Körper mit der Hand schützt, um den Ball nicht frontal abzubekommen. Prallt der Ball dann gegen die Hand, müsste der Schiedsrichter auf absichtliches Handspiel entscheiden, da es regeltechnisch eine Schutzhand nicht gibt. Allerdings wird ein Schiedsrichter in solchen Fällen sehr zurückhaltend mit Pfiffen sein. Wenn er sieht, dass der Ball ohne diese Hand ohnehin gegen den Körper geprallt wäre, tut er im Zweifelsfall besser daran, nicht zu pfeifen.

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